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Women in Innovation

Frauenkopf mit innovativen Ideen

Martin Schwehla auf den Spuren von Innovationen rund um den Trend "Neue Lebensstile & Gleichberechtigung"


Über WIN-Win-Innovationen. Und warum das erste „WIN“ in Zukunft großgeschrieben werden muss


In der Start-up-Szene sind seltener Gründerinnen als Gründer anzutreffen. Die Ursachen dafür sind vielfältig und reichen von Familiengründungen bis hin zu fehlendem Selbstbewusstsein, so die Theorie. [1] Mit "Women in Innovation" (kurz: WIN) wurde andernorts eine „praktische“ Lösung ins Leben gerufen, um diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken. Dabei handelt es sich um eine Non-Profit-Organisation mit über 4.000 Mitgliedern in New York, San Francisco und London, die das Ziel hat, Frauen einen entsprechenden „Rahmen“ zu geben, um ihre innovativen Ideen verwirklichen zu können: ein Ansatz, der auch dem D-A-CH-Raum guttun würde, wie wir finden. Martin Schwehla – Innovation Scout bei in-manas – hat sich für uns auf die Suche nach Innovationen begeben, die bereits mit einem Women-in-Innovation Award ausgezeichnet wurden. Es handelt sich dabei also um sogenannte WIN-win-Innovationen – in jeder Hinsicht, wie Sie sogleich erkennen können. [3]



Sensorische Unterstützung der Rehabilitation nach Gehirnschäden

„Der Weg zurück“ ist für Patienten, die Gehirnschäden erlitten haben, mittlerweile durch einige unterstützende Wearable-Systeme etwas einfacher geworden. Einige davon sind darauf ausgelegt, ständige Begleiter zu sein, andere sollen ihren Benutzern „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten mit dem Ziel, sich wieder ganz ohne Hilfsmittel orientieren und bewegen zu können. Zu diesen gehört das von der britischen Neurorehabilitations-Physiotherapeutin Caz Icke entwickelte SoleSense. Patienten, die versuchen, die Fähigkeit zur Koordination von Gliedmaßen, Gleichgewichtssinn und Bewegungsablauf wiederzuerlangen, obwohl sie nicht kontinuierlich spüren, was sie tun, benötigen immer jemanden, der sie beobachtet und ihnen das richtige Feedback gibt. SoleSense tut dies mit digitalen Mitteln. An den jeweiligen „Schlüsselstellen“ des Bewegungsapparats anliegende Sensoren melden drahtlos die Belastungswerte an eine Smartphone-App, die auditiv oder visuell Rückmeldung über Erfolg und Anpassungsbedarf der Bewegung gibt – an Therapeuten bzw. die Patienten selbst, wobei SoleSense diese etwa durch KI-generierte Warnungen auch vor Stürzen bewahren kann. Die App erlaubt die individuelle Einstellung auf bestimmte Therapieziele und ermöglicht eine Performancebewertung. So kann die knappe Zeit in den Reha-Einrichtungen auch präziser genutzt werden. 


VR-Training zur Bewältigung außergewöhnlicher Stresssituationen

Wir wüssten wenig über die Lage in Regionen, die unter Kriegen, Naturkatastrophen oder Diktaturen leiden, gäbe es nicht Journalisten, die trotz großem persönlichem Risiko vor Ort berichten. Jedes Jahr bezahlen viele von ihnen diese Unerschrockenheit mit ihrer Gesundheit oder ihrem Leben. Gemessen daran, dass sie sich oft denselben Gefahren aussetzen wie militärische Einsatzkräfte, ist ihre Vorbereitung darauf jedoch ungenügend. Kate Parkinson, eine britische Kriegsberichterstatterin, machte diese bittere Erfahrung, als sie in einer Extremsituation in Libyen falsch reagierte und dadurch ein Kollege fast sein Leben verlor. Sie gründete das Start-up HeadSet mit dem Ziel, mittels Virtueller Realität Simulationen herzustellen, in denen Journalisten und beruflich ähnlich gefährdete Zivilisten effektiver lernen, akute Gefahren- und Krisensituationen zu bewältigen. Dies geschieht nicht, wie bei herkömmlichen Stresskursen, primär durch Rollenspiele, sondern durch ein Zusammenwirken aus VR-Immersion, Datenauswertung individueller Reaktionen und Selbstreflexion – den Kursteilnehmern soll es gelingen, die Situation „von innen heraus“ besser zu kontrollieren, wenn sie ungewohnten und Angst erzeugenden Sinnesreizen ausgesetzt sind. Auf diese Weise hofft das Start-up zu einer neuen, resilienteren Generation derer beizutragen, die sich berufsbedingt weltweit in Gefahr begeben.


Zurück zur Schneiderei nebenan! Plattform für regionale Textilprodukte

Meist denken wir über lokale Schneidereien erst nach, wenn es etwas auszubessern gibt. Dabei könnte der Kleiderkauf dort sogar preiswerter sein als das Online-Schnäppchen: dann nämlich, wenn man ein individuell und qualitätvoll gefertigtes Kleidungsstück, mit dem man sich besonders identifiziert, dreimal lieber und länger trägt als die globalisierte Konfektionsware. Die Unternehmerin Rebecca Page steht in Großbritannien bereits seit 2018 für das beliebte Do-it-Yourself-Segment des Kleidernähens mit einem digitalisierten Geschäftsmodell: Ihre Plattform bietet online Schnittmuster sowie den Versand von Stoffen und Material und vielfältiges Know-how durch Kurse und virtuelle Nähzirkel. Eine mittlerweile weltweite Näh-Community stellt sich als Tester und Models für neue Entwürfe auf der Website zur Verfügung. Doch nun soll ein neuer Kundenkreis erschlossen werden, der zwar nicht selbst nähen, aber von der Qualität individuell genähter Kleidung profitieren möchte. Dies soll durch die Ausweitung der Näh-Community auf professionelle Schneidereibetriebe geschehen, die durch die Plattform mit den Kunden im regionalen Umkreis verbunden werden. Daraus ergeben sich auch in der Textilbranche dieselben Vorteile wie bei allen Initiativen für regionalen Konsum: höhere Qualität, Klimaschutz durch kurze Wege, Ressourcenschonung durch längere Produktlebenszyklen sowie Unterstützung der regionalen Wirtschaft. 

 

Wir hoffen, wir konnten Sie anhand dieser Beispiele davon überzeugen, auf eine bessere Zukunft hinzuarbeiten, die von uns allen geschmiedet wird. Bis sich die Anzahl der Innovatorinnen an jene der Innovatoren angeglichen hat, müssen wir Programme wie WIN „groß“ schreiben. Jedenfalls sollten wir auch in unseren Breiten nicht länger auf unser halbes Innovations- und Problemlösungspotenzial verzichten und entsprechende Rahmenprogramme bieten, damit sich unsere Gesellschaft insgesamt weiterentwickeln kann. 

Martin Schwehla und das in-manas-Team

II

 


QUELLEN UND LESETIPPS

[1] Frauenquote: In der Start-up-Welt sind Frauen selten

[2] Women in Innovation

[-] Changing the world: Women in Innovation: The entrepreneurs tackling society’s challenges 2021


SCHON GEWUSST?

Mit dem in-manas-Trendradar können Sie die Entwicklungen und Auswirkungen aller relevanten Mega- und Makrotrends auf Ihr Unternehmen im Kontext von Wirtschaft und Gesellschaft bewerten. Arbeiten Sie mit beliebig vielen Personen – orts- und zeitunabhängig – auf virtuellen Pinnwänden gezielt an den unterschiedlichsten Frage- oder Problemstellungen, ganz im Sinne von Open Innovation und New Work. Laden Sie Mitarbeiter, externe Kunden oder Experten zur Lösung einer konkreten Problemstellung ein. Die Teilnehmer können jederzeit eigene Vorschläge auf der virtuellen Pinwand posten und die Lösungsvorschläge anderer Teilnehmer bewerten.

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Der Autor

Foto: Martin Schwehla
Martin Schwehla
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Der Kulturwissenschaftler und freie Lektor ist auch mit Knowledgebases vertraut, da er an der Universität Wien ein kollaboratives audiovisuelles System entwickelt und darin Studierende in Filmanalyse und Semiotik unterrichtet hat. "So ganz nebenbei" ist er nun als Innovationsscout bei in-manas tätig und begibt sich regelmäßig auf die Suche nach spannenden Innovationsbeispielen und sich abzeichnenden Trends quer über alle Branchen hinweg: angefangen von Bildung über IKT bis hin zu Pharma und Gesundheit. Immer wieder wird er uns ausgewählte Beispiele auch im Rahmen dieser Blogserie vorstellen.