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Von der Wiege in die Wiege: wörtlich genommen

Klaudia Weber auf den Spuren des Megatrends: 
ENERGIE, KLIMAWANDEL & NACHHALTIGKEIT

Zero Waste & Kreislaufwirtschaft


Was sich durch das Recycling gebrauchter Windeln und somit aus "vollen Hosen" alles zaubern lässt


Welche wertvollen Ressourcen sich "unter" den kleinen Häufchen in den Windeln unserer jüngsten Erdenbürger verstecken, ist kaum zu glauben.  Auf den Spuren des Makrotrends  "Zero Waste & Kreislaufwirtschaft" sind wir jedenfalls auf spannende Innovationsbeispiele gestoßen, die im Zusammenhang mit dem Cradle-to-Cradle-Prinzip stehen und für die Kunststoff- und Papierindustrie, aber auch für nachhaltige Autofahrer & Tankstellen, Schulbankdrücker & Möbelhersteller  sowie Katzenbesitzer & Tierhandlungen von Interesse sein könnten ... und natürlich auch für alle Menschen, die Babys im eigenen Haushalt haben.


Spricht man von Wiegen, kommt man mittlerweile ganz schnell auf "Cradle to Cradle" (kurz: C2C) zu sprechen, was übersetzt so viel wie "von der Wiege in die Wiege" bedeutet. Dabei handelt es sich um ein Prinzip, das auf perfekte Kreisläufe setzt und sich an der Natur orientiert. Denn biologische Kreisläufe hinterlassen keinen Abfall. [1]

Mit Wiegen assoziiert man aber auch Babys. Und von Babys ist es zum "heutigen" Thema, das sich mit Nachhaltigkeit und Wiederverwertung beschäftigt, nicht mehr weit: Denn unsere Nachkommen produzieren ab der ersten Stunde unseres Lebens sehr viel Müll in Form von Windeln. Bis ein Kind selbständig eine Toilette benutzen kann, fallen 4000 bis 6000 Windeln an. In manchen Städten machen Windeln zehn Prozent des Müllaufkommens aus. [2]

Daher stellt sich die Frage: Wie wird man die vollen Windeln "sinnvollerweise" wieder los und welche wertvollen Ressourcen verstecken sich "darin"? Wir haben uns auf die Suche nach innovativen Cradle-to-Cradle-Ansätzen gemacht und möchten Ihnen zwei spannende Beispiele vorstellen, die wir für Sie "kurz & knackig" aufbereitet haben:


Zwei Win(del)-win-Situationen


 Schulbänke, Wäscheklammern, Katzenstreu und vieles mehr aus "vollen Hosen"


Dass Krisen auch als Chance verstanden werden können, hat sich in Italien anlässlich der Müllkrise im Jahr 2008 gezeigt. Damals stapelten sich Millionen Tonnen von Abfall und der Gestank nahm täglich zu. Eine „Geruchsquelle“ stellten insbesondere gebrauchte Windeln dar und dafür brauchte es eine Lösung: Die Windeln mussten recycelt werden, so die Idee von P&G (Procter & Gamble), woraufhin ein Joint Venture namens Fater gegründet wurde, das über die Jahre hinweg eine industrielle Recycling-Anlage entwickelte, die bis zu 10.000 Tonnen Windeln im Jahr wiederverwerten kann. Dafür werden diese zuerst in einem gasdicht verschließbaren Druckbehälter unter hohen Temperaturen und mit Hochdruckdampf sterilisiert, und gleichzeitig werden geruchsintensive Moleküle zerstört. Danach werden die einzelnen Bestandteile der Windeln mechanisch voneinander getrennt und zerkleinert. Mit dem Verfahren lassen sich fast 100 Prozent der eingesetzten Rohstoffe wie Zellulose, superabsorbierende Polymere und Kunststoffe zurück in den Kreislauf führen. Was am Ende dabei rauskommt? Aus den Kunststoffen entstehen beispielsweise Schulbänke, Wäschekörbe und Wäscheklammern. Die saugstarke Zellulose wird wiederum mit dem absorbierenden Polymer zu Katzenstreu verarbeitet. Weitere Produkte aus dem wiedergewonnenen Material sind angedacht: etwa Papier aus Zellulose oder Absorber für den Einsatz in der Industrie. Fater will bis 2030 in zehn Metropolregionen weltweit ein adäquates Windel-Recycling aufbauen. Voraussetzung dafür: Eine separate Sammlung von Windeln – etwa in Form eines Sammelsystems, das an unser Altglas-Konzept erinnert. Zudem wird an Kooperationen mit Kindertagesstätten, Krankenhäusern und Seniorenheimen gearbeitet. [3]

 


Mit gebrauchten Windeln zu mehr Biosprit und wertvollen Bausteinen für die Industrie


Alle, die jemals ein Baby im eigenen Haushalt hatten, wissen, wie hoch die gebrauchten Windelberge werden können: Bis zu sieben Mal täglich müssen Windeln gewechselt werden, um diese anschließend „verrichteter Dinge“ über den Hausmüll zu entsorgen. Was vielen nicht bewusst ist: Damit gehen auch zahlreiche Rohstoffe und Ressourcen verloren, die für die Industrie wertvolle Bausteine darstellen könnten. Ein Trennen bzw. Recyclen ist aber nach wie vor sehr teuer und lieferte bisher nur wenig zufriedenstellende Ergebnisse. Konkret handelt es sich bei den Ressourcen um Polyethylen-, Polypropylen- sowie Cellulose- und saugstarke Kunststofffasern. Nun haben Forscher des Austrian Centre of Industrial Biotechnology – kurz: acib – einen neuartigen biotechnologischen Recyclingprozess entwickelt. In einem ersten Schritt werden die Windeln vom Inhalt getrennt, der dann über eine Biogasanlage entsorgt wird. Danach kommen bestimmte Enzyme – unter anderem Cellulasen – zum Einsatz. Diese sind in der Lage, die Windelfasern zu trennen und zu recyceln. Die daraus entstehenden enzymatischen Abbauprodukte sind wertvolle Grundbausteine für chemische Verfahren, aber auch für die Herstellung von Kunststoffen und Bioethanol, das in Form von Biosprit eingesetzt wird und somit der Umwelt zugutekommt, was auch schon zum nächsten „Stichwort“ führt: Beim gesamten acib-Verfahren entsteht kein CO2 und es werden keine gefährlichen Chemikalien eingesetzt. [4]
 


Natürlich könnte man nach wie vor darüber diskutieren, dass Einwegwindeln im Vergleich zu Stoffwindeln umwelttechnisch "sch..." sind. Aber wie man an diesen innovativen Beispielen erkennen kann, bietet die Kreislaufwirtschaft gute Ansätze, damit die Ökobilanz der Wegwerfwindel mit der einer Stoffwindel mithalten kann. Und gleichzeitig muss die Ressource "Zeit" der Betreuungspersonen von Babys nicht derart strapaziert werden, wie das beim Windelwaschen der Fall war und ist.

Wir hoffen jedenfalls, Sie mit unseren Win(del)-win-Situationen "nachhaltig" inspiriert zu haben.

Klaudia und das in-manas-Team


 

HINWEIS IN EIGENER SACHE

Neben unseren digitalen Management- & Consulting-Assistenzsystemen haben wir auch einen Innovationskompass, der Sie durch die neuesten branchenrelevanten Innovationen & Trends "führt". Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, dann melden Sie sich doch einfach bei uns. 
 

MEHR ERFAHREN

 

QUELLEN UND LESETIPPS

[1] Was ist eigentlich Cradle to Cradle?

[2] Katzenstreu aus Windeln  

[3] Aus Windeln werden Bänke

[4] Bioethanol aus gebrauchten Windeln gewinnen

Die Autorin

Foto: Klaudia Weber
Klaudia Weber
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Klaudia gibt uns regelmäßig "in-sights" rund um die Themenbereiche "New Work", "New Learning", "Nachhaltigkeit", "Neue Lebensstile" und "Neue Geschäftsmodelle" - nicht nur im Rahmen dieser Blogbeiträge, sondern auch, indem sie unseren Innovationskompass laufend mit den jüngsten Trends und Innovationen anreichert. Außerdem denkt und schreibt die "gelernte" Sozialpädagogin gerne "outside the box" und tauscht sich dazu immer wieder mit Experten und Vordenkern aus den unterschiedlichsten Disziplinen aus: angefangen von Soziologen und Philosophen bis hin zu Gehirnforschern.