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Mehr Wert- statt Schadschöpfung in der Textilindustrie

Hecke, die in Form eines T-Shirts geschnitten auf einer Wiese unter blauem Himmel steht

Marika Mochi auf den Spuren des Megatrends:

ENERGIE, KLIMAWANDEL & NACHHALTIGKEIT
Zero Waste & Kreislaufwirtschaft

 

Nachhaltige Materialien und Naturstoffe Hoch4


Unser Wirtschaften folgt der Prämisse, dass mit jeder Wertschöpfung auch "Schadschöpfung" wie Umweltverschmutzung einhergeht – ganz zu schweigen von den immer wieder neu benötigten Rohstoffen, weil sämtliche Produkte nach dem Ende ihrer Nutzung auf dem Müll landen. Die Zero Waste- & Kreislaufwirtschaft versucht das zu "leben", was die Natur vormacht: perfekte Kreisläufe – weitestgehend ohne Abfall, bei denen zudem regenerative Energien zum Einsatz kommen und auf gesunde, natürliche, nachwachsende Materialien gesetzt wird. Insbesondere die Textilindustrie geht diesbezüglich bereits viele neue Wege. Wir möchten Ihnen vier "auserlesene" Beispiele aus unserem Innovationskompass vor Augen führen, die Marika Mochi im Rahmen ihrer Tätigkeit als Innovationsscout bei in-manas aufgespürt hat. Viel Spaß beim Lesen.


Aus Pilzen gewachsene Lederteppiche für die textilherstellende Industrie


Wie die Massen-Tierhaltung in der Kritik steht, wird auch immer wieder über die Umweltbelastungen und ethische Bedenken bei der Lederherstellung diskutiert, auch wenn dieses nur als Nebenprodukt der industriellen Nutztierhaltung gilt. Die Produktion synthetischen Leders wiederum involviert in den Herstellungsprozess aus fossilen Energien stammende Chemikalien. Wissenschaftler der Universität Wien rund um die Materialchemiker Alexander Bismarck und Mitchell Jones widmen sich nun der Herstellung eines neuen Materials mit Potenzial: Pilz-Leder. Die Lederalternative wird unter Nutzung landwirtschaftlicher Abfallprodukte aus Pilzmycel gewonnen. Das gewonnene Material aus den Pilzmycel-Fäden gilt als CO2-neutral und ist nach Ende seiner Nutzungsdauer biologisch abbaubar. Die Lederersatzstoffe aus den Fäden sehen aus wie echtes Leder, fühlen sich auch so an und weisen laut den Wissenschaftlern der Wiener Universität vergleichbare Eigenschaften auf. Die Pilz-Biomasse würde kostengünstig auf Abfallstoffen wie Sägemehl innerhalb eines Zeitraumes von zwei Wochen unproblematisch in stabilen Matten heranwachsen. Nach der Ernte werden die Fasern physikalisch und chemisch behandelt; wobei diese Prozesse ohne belastende Zusatzstoffe auskommen. Infrastrukturell benötigt man Hallen, in denen die Pilze gestapelt wachsen können, ohne gesonderte Ansprüche an Licht oder Temperatur. In Ländern wie den USA oder Italien sind bereits Produkte aus dem nachhaltigen Lederpilzersatz im Verkauf. Mit seinem Preis pro Fuß ist das Ersatzleder durchaus konkurrenzfähig – und Wissenschaftler bescheinigen diesem künftig ein enormes Marktpotenzial in der textilen Industrie, die zunehmend ökologisch verantwortlicher handeln und nachhaltiger sein will. [1]


Sneaker im Abo erfüllen Zero-Waste-Gedanken vollständig


Kreislaufwirtschaft beruht darauf, dass die für das Produkt verarbeiteten Rohstoffe innerhalb eines Kreislaufs wiederverwendet werden können. So entstehen nach Ende des Herstellungsprozesses keine bzw. kaum noch Abfälle; die Belastungen für die Umwelt sind minimal gehalten. Diesen Herstellungsprozess hat sich nun der Schweizer Schuhhersteller On auf die Fahnen geschrieben, bei dem man hochwertige Laufschuhe für wenig monatliches Geld im Abo beziehen kann. Es gilt: Sobald man die Schuhe durchgelaufen hat oder nicht mehr tragen will, kann man diese an den Hersteller senden, der das abgelegte Paar vollständig für die Produktion neuer Sneaker verwendet. Und das funktioniert genau so in Endlosschleife. Die Schuhe mit Namen Cyclon sind aus Rizinusbohnen hergestellt – und zu 100 Prozent recycelbar. Die ungefärbten Sneaker kommen mit sanfter Dämpfung sowie Innenpolsterung für absoluten Tragekomfort und sind für das anspruchsvolle High-Performance-Training bestens geeignet. [2]


Hoodie geht nach dem Tragen einfach auf den Kompost


Vollständig biologisch abbaubar greift auch für die textilherstellende Produktion? Ja, das gibt es mittlerweile – Designer und modekreierende Unternehmen machen sich zunehmend Gedanken. Von dem experimentierfreudigen Label Vollebak aus London kann man nun bspw. einen Hoodie komplett basierend auf Pflanzenmaterialien kaufen. Die Fasern bestehen aus Eukalyptus- und Buchenholz. Eingefärbt ist das Kleidungsstück mithilfe der Schale von Granatäpfeln, was ihm das moosgrüne Aussehen verleiht. Der Hoodie beginnt also sein Leben in der Natur und endet dieses dort: Man kann ihn nach dem Tragen nämlich ganz nachhaltig auf den Kompost geben oder einfach in die Erde eingraben. Hier zersetzt er sich innerhalb von acht Wochen. Abhängig von der Bodenzusammensetzung, dem Anteil an Bakterien in diesem und dem Klima dauert der Zersetzungsprozess kürzer oder länger. Ebenso war den Machern für die Herstellung ein Prozess wichtig, der als umwelt- und klimafreundlich gilt. So werden 99 Prozent des Wassers, welches für das Zerstampfen und Neuspinnen der Fasern gebraucht wird, wiederverwendet. Darüber hinaus wurden für den Hoodie ausschließlich recycelte Baumwollfäden verarbeitet. Vollebak fällt mit seinen Designs auch sonst eher aus dem Rahmen. So finden sich ein ebenfalls kompostierbares T-Shirt aus Algen, ein über 100 Jahre haltbarer Hoodie oder eine unzerstörbare Jacke im Programm des englischen Designer-Labels. [3]


Kleid aus biologischem Material zersetzt sich innerhalb kurzer Zeit


Durch die Entsorgung abgelegter Kleidung aus Mischfaser und der Abfallmengen aus der Textilproduktion erfährt unsere Umwelt eine hohe Belastung. Daraus entstehen Überlegungen, wie eine nachhaltigere Produktion von Stoffen aus pflanzlichen Materialien in der Modeindustrie bewerkstelligt werden kann. So verwendet Designerin Scarlett Yang Algenextrakt und Seidenkokonprotein für die Herstellung eines ihrer Kleider. Aus biologischem Material geschaffen zersetzt sich dieses im Wasser; je nach Temperatur sogar in weniger als 24 Stunden. Die organischen Strukturen werden aus einer Mischung aus Wasser, Farbstoff und Alge in 3-D-Formen gegossen. Das Seidenkokonprotein, das sonst als Abfall gilt, wird auf einige Teile des Materials aufgetragen – und verursacht einen Effekt des Schrumpfens oder Verknitterns des „Stoffs“. Das Prinzip des auf Algen basierenden Materials kann auch auf weitere kommerzielle Produkte übertragen werden – neben Modebekleidung könnte es bei der Herstellung von Innenausstattungsprodukten und Verpackungsmaterialien künftig eine große Rolle spielen. [4]
 


Wir hoffen, wir konnten Sie mit diesen Beiträgen inspirieren und Ihnen zeigen, dass Recycling im Sinne einer ausgeklügelten Kreislaufwirtschaft durchaus eine "runde Sache" sein kann ... und dass es nicht immer negativ sein muss, wenn sich "die Dinge" in einer "Endlosschleife" bewegen.

Marika Mochi & das gesamte in-manas-Team


II

QUELLEN UND LESETIPPS

[1] Leder aus Pilzen wächst in zwei Wochen heran

[2] This is Cyclon. And this is the running shoe you will never own.

[3] Vollebak designs Plant and Pomegranate Hoodie that you can compost in your garden

[4] Scarlett Yang designs lab-grown dress from algae that can decompose in hours

 

UND NOCH EIN HINWEIS IN EIGENER SACHE

Neben unseren digitalen Management- & Consulting-Assistenzsystemen haben wir auch einen Innovationskompass, der Sie durch die neuesten branchenrelevanten Innovationen & Trends "führt". Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, dann melden Sie sich doch einfach bei uns. 
 

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Die Autorin

Foto: Marika Mochi
Marika Mochi
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Die Korrektorin und Lektorin Marika Mochi ist vielseitig unterwegs: Außerhalb ihres für Sprachen (Deutsch, Englisch, Niederländisch, Italienisch) ausgeprägten Faibles ist die in der Toskana lebende studierte Kunsthistorikerin unter anderem auch für in-manas als Innovationsscout tätig. Hier spürt sie laufend aktuellen Trends und Innovationen nach, die in unseren Innovationskompass münden und die wir Ihnen auszugsweise hier in dieser Form immer wieder vor Augen führen.