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Thank God it's Monday!

Klaudia Weber auf den Spuren des Megatrends:
ARBEITS- UND LERNWELTEN DER ZUKUNFT

Im Gespräch mit  dem Dark-Horse-Mitbegründer Fried Grosse-Dunker

Warum Fritjof Bergmann, der Begründer der „New Work“-Bewegung, seine helle Freude mit den Gründern von Dark Horse hätte


"Arbeit sollte Spaß machen und nicht länger als 'lästiger Schnupfen' empfunden werden, der von Montag bis Freitag andauert", verkündete der österreichisch-amerikanische Philosoph Prof. Dr. Frithjof Bergmann, der Begründer der „New Work“-Bewegung.

Prof. Bergmann, der in Michigan bereits Ende der 1970er-Jahre seine ersten "Centers for New Work" gegründet hat (siehe dazu auch in-sight 1), wollte damit die Menschen zum Nachdenken bringen, was sie "wirklich, wirklich wollen" und welcher Tätigkeit sie künftig nachgehen wollten, um nicht länger ihr „wahres“ Leben bis zum Wochenende "vertagen" zu müssen. Es ging ihm darum, die "Freitagswelt" in eine "Montagswelt" zu verwandeln: eine Welt, in der man sich auf den Wochenbeginn freut.


Das dürfte Musik in den Ohren jener sein, die jeden Wochenanfang erneut die Zähne zusammenbeißen - für die meisten von uns sind es die Klänge einer eher fernen Zukunft. Oder können Sie etwa "ganz, ganz ehrlich" behaupten, es schon am Sonntagabend kaum erwarten zu können, dass es endlich Montag wird?

Dem Berliner Innovationshaus Dark Horse scheint der Sprung von der Freitags- in die Montagswelt gelungen zu sein. Denn die dort tätigen Menschen freuen sich offenbar tatsächlich „so richtig“ auf ihre Arbeit. Zumindest haben sie, um ihre Haltung zum "Ausdruck" zu bringen, im Jahr 2014 sogar ein ganzes Buch geschrieben, mit dem prägnanten Titel: Thank God, it's Monday

Schon bei meinen ersten Recherchen zu "Dark Horse" – ein meiner Meinung nach gelebtes Beispiel der Vision von Frithjof Bergmann – tauchten meinerseits sogleich ein paar  Fragen auf. Und weil ich sozusagen das "Pferd" nicht "von hinten aufzäumen" wollte, nahm ich einfach Kontakt mit dem Innovationshaus auf. Ob es möglich wäre, ein Interview mit einem der 30 Gründungsmitglieder zu führen? Und siehe da: Nina von Dark Horse schrieb mir wenig später zurück, dass sich "der Fried" auf das Interview mit mir freuen würde. Ein paar Wochen später (Fried ist ein vielbeschäftigter und gefragter Mann und zudem gerade in Vaterschaftsurlaub) kam es dann zu diesem Austausch, an dem ich Sie gerne teilhaben lassen möchte.

Allerdings erhielt ich auf meine Fragen auch dermaßen viele spannende Antworten, dass ich kurzfristig beschloss, dieses Gespräch "häppchenweise" wiederzugeben, um nicht allzu viele der wertvollen Aussagen unter den Tisch fallen lassen zu müssen. Und deswegen wird es zum Thema "NEW WORK & DARK HORSE" noch mehr in-sights geben als ursprünglich beabsichtigt. Mit Sicherheit gibt es Schlimmeres im Leben, als diesem Thema noch etwas mehr Zeit zu widmen, zumal diese in-sights ja unabhängig voneinander gelesen werden können.

Ich hoffe jedenfalls, dass die eine oder andere Antwort auch Ihnen als Impulsgeber auf Ihrem persönlichen Weg zu einer neuen Arbeitswelt im Unternehmen dienen wird. 

in-manas im Gespräch mit dem Dark-Horse-Mitbegründer Fried Grosse-Dunker


Fried ist Entrepreneur, Innovationsberater und Dozent. Er lebt seit 10 Jahren in Berlin, hat mit 29 Mitbegründern die Innovationsberatung Dark Horse aufgebaut, gemeinsam mit ihnen das Buch “Thank God it’s Monday” geschrieben, für Coca-Cola einen „Accelerator“ installiert... und nebenbei ist er passionierter Kaffee-Liebhaber. Das erklärt vielleicht auch, warum die Entscheidung, eine Kaffeemaschine anzuschaffen, in den Anfangszeiten von Dark Horse dermaßen wichtig war. Doch dazu später mehr...


in-manas: Fried, wie kam es dazu, dass sich 30 Absolventen der d.school – der Hasso Plattner School of Design Thinking an der Universität Potsdam – nicht der "normalen" Arbeitswelt fügten, sondern stattdessen ihre eigene Montagswelt schufen? Was genau störte euch an der Freitagswelt? Und inwieweit half euch der Design-Thinking-Ansatz dabei, eine eigene "Welt" zu „designen“?

Alles um dich herum ist von Leuten gemacht, die nicht schlauer waren als du. Das heißt: Alles könnte anders und auch besser gemacht sein.

STEVE JOBS
frei wiedergegeben von Fried Grosse-Dunker


Über die Anfänge: Von der d.school zu Dark Horse
 

Fried Grosse-Dunker: Als wir unsere Ausbildung im Jahr 2009 beendeten, waren wir erst der zweite Absolventenjahrgang an der d.school. Design Thinking als Methode war also noch sehr neu, und es gab keinerlei Stellenausschreibungen, die in irgendeiner Form etwas mit Design Thinking zu tun gehabt hätten. Und deshalb standen wir damals vor der Wahl,

  • entweder in einem "normalen" Unternehmen zu arbeiten – samt "normaler" Jobbeschreibung,
  • oder uns selbstständig zu machen, um Design Thinking zu leben bzw.  um uns damit unseren eigenen Job kreieren zu können.

RANDBEMERKUNG
@Design Thinking

 

Design Thinking ist eine systematische Herangehensweise an komplexe Problemstellungen aus allen Lebensbereichen. Der Ansatz geht weit über die klassischen Design-Disziplinen wie Formgebung und Gestaltung hinaus. Im Gegensatz zu vielen Herangehensweisen in Wissenschaft und Praxis, welche die Aufgabe von der technischen Lösbarkeit her angehen, stehen bei Design Thinking Nutzerwünsche und -bedürfnisse sowie nutzerorientiertes Erfinden im Zentrum des Prozesses. Design Thinker schauen durch die Brille des Nutzers auf das Problem und begeben sich dadurch in die Rolle des Anwenders. [1]

 


Fried Grosse-Dunker: Die meisten unseres Jahrganges entschieden sich für Zweiteres. Denn wir fanden die in der d.school gelebte Arbeitskultur toll, wir wussten auch, dass wir als Team in dieser "Form" gut funktionierten und wir fanden die erlernten Methoden spannend. Wir dachten: "Irgendwie muss das alles weitergehen!"

Aus diesem Grund haben wir einen Verein gegründet und einen Raum gemietet. Dort haben wir uns regelmäßig getroffen. Der Zufall hat uns dann das eine oder andere Projekt zugespielt. Und aus dem Zufall wurde eine Regel. So ist dann letztendlich unsere Agentur entstanden.

Was wir relativ schnell feststellen konnten: Die Arbeitskultur, die wir durch die d.school kennen und lieben gelernt hatten, hatte sich bei uns richtiggehend „eingebrannt“. Sie steht aber in einem starken Gegensatz zu jenen Organisationsformen, die man aus den BWL-Büchern kennt. Wir haben zwar am Anfang versucht, uns "normgerecht" zu organisieren. Allerdings hat das für uns nicht funktioniert. Also haben wir aus der Not heraus begonnen, unsere eigene Organisation zu "formen" – und zwar mit jenem Selbstverständnis, das wir in unserer Design-Thinking-Ausbildung kennengelernt haben.

Die Organisation ist letztendlich nur ein Hilfsmittel, um besser arbeiten zu können. Oder anders formuliert: Die Organisation ist für uns gemacht und wir sollten uns ihr nicht anpassen.

FRIED GROSSE-DUNKER 

Fried Grosse-Dunker: Wir haben uns daher überlegt, wie die für uns beste Organisationsform aussehen müsste, wenn WIR die Nutzer dieser Organisationsform sind. Und hier fiel uns ein Ausspruch von Steve Jobs ein, der einmal sinngemäß Folgendes sagte: "Alles um dich herum ist von Leuten gemacht, die nicht schlauer waren als du. Das heißt: Alles könnte anders und auch besser (!) gemacht sein." 

Das war dann also unser Motto, um unsere eigene Organisation zu schaffen – und zwar genau nach den Design-Thinking-Prinzipien:

  • iterativ,

  • prototypenhaft,

  • problemorientiert.

Dabei hatten wir zwei "Leitfragen": Welche Probleme treten in unserer Organisationsform bzw. in unserer Zusammenarbeit auf? Was stört uns bzw. was hindert uns daran, unsere Arbeit besser zu erledigen? Auf diese Weise haben wir uns Stück für Stück an unsere "Montagswelt" herangetastet.

in-manas: Ihr seid ja von Anfang an sehr viele Leute gewesen: Mit 30 Personen Entscheidungen zu treffen bzw. einen Konsens zu finden, das dürfte eine gewisse Herausforderung gewesen sein...
 


    RANDBEMERKUNG
    @Newsletter von Dark Horse
     

    Übrigens: Dark Horse hat auch einen Newsletter. Hier erfährt man laufend Neuigkeiten über deren Ideen und erhält zudem zahlreiche Tipps & Tricks, die vielleicht auch für Ihren Unternehmensalltag wertvoll sind. Ich habe mich jedenfalls schon angemeldet.

    zum Dark-Horse-Newsletter 
     


     

    Über CIA-Sabotage-Methoden, die in ihrer Umkehrung für Unternehmen förderlich sind

    Fried Grosse-Dunker: Ja – das war und ist in der Tat nicht immer einfach. Ein Paradebeispiel dafür, das uns allen wohl immer in "guter" Erinnerung bleiben wird, ist folgende Geschichte:

    Bei einem der ersten Treffen innerhalb des Vereins haben wir uns vorgenommen, eine Kaffeemaschine zu kaufen. Wir haben uns also am Wochenende verabredet, um diese Entscheidung gemeinsam zu treffen. Wir haben sehr, sehr lange darüber gesprochen. Und die Entscheidung am Ende war: Wir können nichts entscheiden, weil wir nicht EINE Lösung gefunden haben, mit der ALLE zufrieden waren.

    Und das hat uns sehr viel gelehrt über unser Entscheidungsverhalten im Allgemeinen und darüber, wie wir unsere Meetings gestalten. Schlussendlich haben wir es dann mit einer Methode versucht, die wir aus dem Design Thinking kennen: das negative Brainstorming. 

    Es ging uns um die Frage, wie man ein Meeting – ein Arbeitstreffen – möglichst schlecht gestalten oder sogar sabotieren kann.

    FRIED GROSSE-DUNKER 

    Fried Grosse-Dunker: Dabei sammelt man Ideen dazu, wie man ein Problem möglichst NICHT löst, um daraus in einer "Umkehrung" Ideen für die Lösung abzuleiten. Bei uns ging es also konkret um die Frage, wie man ein Meeting – ein Arbeitstreffen – möglichst schlecht gestalten oder sogar sabotieren kann.

    Wir haben damals lange recherchiert und sind dabei auf ein Dokument der CIA gestoßen, das im Jahr 1944 ausgegeben wurde – während des 2. Weltkriegs. Das Dokument war an Saboteure in Deutschland gerichtet, konkret an Menschen, die in der deutschen Wirtschaft saßen. Es handelte sich dabei um eine mehrseitige Anleitung, die erst im Jahr 2008 veröffentlicht wurde, weil sie lange unter Verschluss war. Und in dieser Anleitung wurde genau beschrieben, wie die Menschen damals Meetings sabotieren sollten, um ganz gezielt der deutschen Wirtschaft zu schaden.

    Das Interessante daran: Das "Manual" liest sich, als ob es im Hier und Jetzt geschrieben worden wäre. In vielen großen Konzernen werden Meetings heute typischerweise genau so abgehalten. Wir fanden das dermaßen augenöffnend, dass wir daraus ein Poster gemacht haben, das man sich sich übrigens auch kostenlos herunterladen kann.

    Damit eine Entscheidung als 'getroffen' angenommen werden kann, müssen zwar nicht alle zustimmen. Es darf aber niemand 'Einwand' sagen. Wenn jemand einen Vorschlag schwerwiegend ablehnt, muss er stattdessen einen besseren einbringen. 

    FRIED GROSSE-DUNKER 

    Fried Grosse-Dunker: Langer Rede kurzer Sinn: Was wir dann daraus gemacht haben, war, uns folgende Frage zu stellen: Wie können wir unsere Meetings gestalten, damit bei uns keine Sabotage-Effekte auftreten können? Und damit haben wir letztlich auch ein Entscheidungsverfahren gefunden, das für uns "stimmig" – wenn auch nicht zwangsläufig "einstimmig" – ist. Das heißt: Entscheidungen werden bei uns nach dem Prinzip der Soziokratie getroffen.

    in-manas: Wie funktioniert dieses Prinzip konkret?

    Fried Grosse-Dunker: Dabei wird nicht gefragt, wer dafür, sondern wer dagegen ist - und zwar dagegen, den Vorschlag auszuprobieren. Damit eine Entscheidung als "getroffen" angenommen werden kann, müssen zwar nicht alle zustimmen. Es darf aber niemand "Einwand" sagen. Wenn jemand einen Vorschlag schwerwiegend ablehnt, muss er stattdessen einen besseren Vorschlag einbringen.

    Es handelt sich hier also weniger um die Suche nach der perfekten Entscheidung, sondern vielmehr um ein interatives Herantasten... Und das funktioniert bei uns sehr gut.

    in-manas: Vielen Dank für die tollen Einblicke in euer Denken und Arbeiten!

     

    Beim nächsten in-sight werde ich gemeinsam mit Fried folgenden Fragen nachgehen: Wie sieht der Arbeitsalltag bei Dark Horse konkret aus? Dominieren tatsächlich Spiel und Spaß? Und warum ist die Zusammenarbeit bei Dark Horse "trotzdem" wie in einem Kloster organisiert, was sofort an einen ernsten, ruhigen Platz mit vielen Regeln und immer wiederkehrenden Ritualen erinnert?

    Ich kenne die Antworten schon und darf unseren Leserinnen und Lesern eines sagen: Es bleibt spannend, bleiben Sie "dran" ...

    II


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    QUELLEN

    [1] HPI Academy: Was ist Design Thinking: https://hpi-academy.de/design-thinking/was-ist-design-thinking.html