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Roboter als Freund und Helfer?

zwei Robotermännchen

Sabine Wallner auf den Spuren von Innovationen rund um den Megatrend „Künstliche Intelligenz“


Wie smarte Assistenten den Alltag erleichtern können


Selbstlernende Technologien und Roboter unterstützen uns zunehmend in beruflichen und privaten Belangen. Dass assistierende Systeme nicht per se als Bedrohung wahrgenommen werden müssen, sondern auch als Freund und Helfer auftreten können, wollen wir mit vier Beispielen aus unserem Innovationskompass veranschaulichen. Bereit für ein paar smarte technische Kollegen, die sich mittlerweile in vielen Bereichen bewähren, zum Beispiel beim Kellnern, beim Einkaufen oder in Kinderkliniken?


 

Sprechende Roboter wegen Personalmangel in der Gastronomie im Einsatz

In vielen Restaurants sind Mitarbeiter seit dem Ausbruch der Coronapandemie Mangelware. Kein Wunder also, dass so mancher Gastronom neue Wege beschreitet. So auch Tim Bornewasser, der seit Kurzem auf eine digitale Mitarbeiterin setzt. In seinem Restaurant im Ostseebad Grömitz (Schleswig-Holstein, Deutschland) bringt mittlerweile Robotorlady Bella die Speisen. Sie sieht aus wie ein Servierwagen mit vier Tabletts und überzeugt ihre Gäste mit einem Display, auf dem ein niedliches Katzengesicht zu sehen ist. Mit Speisen und Getränken beladen, rollt sie von der Küche zu den Tischen und spricht die Gäste mit freundlicher Stimme an. Sätze wie „Hier kommt Ihr Essen“ oder „Darf ich bitte kurz vorbei“ gehören dabei zum Standardrepertoire. Nach dem Essen bringt Bella das schmutzige Geschirr wieder in die Küche. Das eigentliche Servieren, das Aufnehmen der Bestellungen und das Abräumen der Tische übernehmen allerdings Bellas menschliche Kollegen. [1]


Miniroboter als Transportmittel für täglichen Einkauf

Für viele ist es nur lästig, für manche jedoch eine tägliche Herausforderung: Lebensmitteleinkäufe nach Hause zu schleppen. Vor allem ältere Menschen sind dabei auf Hilfe angewiesen. Der kleine Roboter Gita mini des amerikanischen Mobilitätsentwicklers Piaggio Fast Forward könnte hier Abhilfe schaffen. Die kleinere Ausgabe des Basismodells Gita kann zwar weniger transportieren, überzeugt jedoch durch eine längere Ausdauer, die ihr eine Reichweite von 33,8 Kilometern ermöglicht. Außerdem funktioniert der Miniroboter unabhängig von GPS, Internetanbindung oder Bluetooth. Gita mini ist intelligent, merkt sich das Aussehen seines Besitzers und kann ihm so folgen. Außerdem erkennt er andere Passanten und kann deren Bewegungen erfassen und gegebenenfalls ausweichen. Für den Transport des täglichen Einkaufs ist der Kleine bestens geeignet, denn er kann ungefähr neun Kilogramm transportieren. Die einzige Schwachstelle: Treppen stellen ein unüberwindbares Hindernis dar, sodass der kugelige Roboter in den meisten Fällen spätestens ab der Haustürschwelle. [2]


Roboter Robin erleichtert Kindern den Klinikaufenthalt

Ob der Einsatz von humanoiden Robotern als Ersatz für medizinisches Pflegepersonal eine menschenwürdige Lösung ist, ist Gegenstand ethischer Diskussionen. Als positives Beispiel und Argument für einen solchen Einsatz kann der Klinikroboter Robin gelten. Er kümmert sich im UCLA Mattel Children’s Hospital in Los Angeles auf der Kinderstation um seelische Belange der kleinen Patienten oder dient der Unterhaltung. Eine interne Vergleichsstudie, in der eine Gruppe von Eltern und Kindern mit Robin interagierte und die andere mit einem Tablet, erwies, dass 90 Prozent aller Eltern Robins Besuche als positiv empfanden, 60 Prozent der anderen Gruppe das Tablet. Bei Kindern, die Robin besuchte, nahmen Angst und Sorgen um 33 Prozent ab, ihre Hoffnung, bald gesund zu werden, nahm um durchschnittlich 29 Prozent zu. Zwar zeigte auch das Tablet ähnliche Wirkungen, da jede Form von Ablenkung für die Kinder hilfreich war. Doch Robin kann gezielt mit den Kindern kommunizieren und die Krankheit spielerisch thematisieren. Kinder gewährten dem Roboter eher Einblick in ihre Gefühlswelt, ihre Ängste und Schmerzen als einem Menschen. Zusätzlich gibt Robin dem medizinischen Personal das Gefühl, dass die Patienten besser versorgt sind. Den menschlichen Kontakt kann der Roboter zwar nicht ersetzen, aber durchaus qualitativ ergänzen. [3]
 

"Kobot" schafft Arbeitsplatz für Menschen mit schwerer Behinderung

Geht es um Robotik in der Produktion, wird oftmals die Befürchtung laut, dass die Maschinen den Menschen am Arbeitsplatz ersetzen könnten. Ob und wie sich dies bewahrheitet, wird sich zeigen – vielfach gehen die Annahmen auch dahin, dass sich die Aufgabenbereiche „nur“ verschieben werden. Dass statt Verdrängung die enge Zusammenarbeit jedenfalls eine höchst produktive Option sein kann, hat Ford jetzt mit einem einzigartigen „Kobot“ gezeigt. Der Name ist eine Kombination aus „Kollaboration“ und „Roboter“. Nach einer einjährigen Forschungs- und Entwicklungsphase kam der „Kobot“ nach umfassender Schulung der Beschäftigten nun erstmals praktisch zum Einsatz. Der Roboter arbeitet sehr eng mit Menschen zusammen, die aufgrund von starken Einschränkungen ihrer Bewegungs- und Leistungsfähigkeit an Schultern oder Handgelenken andernfalls nicht in der Automobilproduktion arbeiten könnten. Er übernimmt einzelne Handgriffe, die auch für gesunde Mitarbeiter über die Zeit eine hohe Belastung darstellen. Entwickelt wurde der kollaborierende Roboter von Ford gemeinsam mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), der das Modellprojekt mit 327.000 Euro förderte. Ziel war es, die Kollaborationsrobotik derart zu entwickeln, dass sie, für den Menschen sicher und in die taktgebundene Fertigungsstraße integriert, zugleich einen Arbeitsplatz für Menschen mit schwerer Behinderung schaffen kann.[4]
 

So können Roboter also auch eingesetzt werden, nämlich um mit den Menschen gemeinsam zu arbeiten und sie zu entlasten. Vielleicht werden Sie ja auch bald mehr Zeit mit einem smarten Roboterassistenten verbringen? Wer weiß? 

Das in-manas-Team und  IRIS,
unser Innovation Research & Identification System ;-)

 

II

QUELLEN UND VERTIEFUNGSTIPPS

[1] Roboter Bella serviert die Speisen
[2] Rucksack war gestern: Dieser Roboter trägt euch die Einkäufe hinterher
[3) Roboter Robin hilft Kindern im Krankenhaus
[4] Ford: Roboter schafft Jobs für Menschen mit Schwerbehinderung


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Die Autorin

Sabine Wallner
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Die Soziologin Sabine Wallner ist unter anderem bei in-manas als Innovationsscout tätig und spürt für uns zahlreichen Trends und Innovationen nach, die in unserem Innovationskompass - und auszugsweise auch auf hier auf in-sights - abgebildet werden. Insbesondere zu den Themen "Gender, Kultur und sozialer Wandel" kommt Sabine aber auch im Rahmen einer regelmäßig erscheinenden Blogserie zu Wort.