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New-Cycling? Lebensmittelreste neu gedacht...

Biomüll

Linda Senoner auf den Spuren des Megatrends: 

ENERGIE, KLIMAWANDEL & NACHHALTIGKEIT
Zero Waste & Kreislaufwirtschaft

 

Wie scheinbar nutzloser "Bioabfall" in etwas vollkommen Neues verwandelt werden kann


Unsere Rohstoffe werden zunehmend knapper und teurer. Trotzdem gehen wir nach wie vor sehr verschwenderisch damit um, wie auch unsere Handhabe mit Lebensmitteln zeigt. Diese landen oftmals unbesehen im Restmüll (!) und können damit nicht einmal mehr „artgerecht“ genützt werden. Im besseren Fall – wenn man sie also wenigstens über die Biomülltonne entsorgt – finden sie als Energieträger in der Biogasgewinnung oder als Dünger ihre zweite Bestimmung. Doch das ist nur die primitivste Wiederaufbereitungsmöglichkeit von Lebensmittelresten, wie uns Linda Senoner (Innovationsscout bei in-manas) an drei Beispielen veranschaulicht. Denn bestimmte Lebensmittelreste wie altes Brot, Obstkerne oder Reisschalen könnte man auch ganz anders zum Einsatz bringen. Wie genau? Das zeigt Linda Ihnen nach einer kurzen Erklärung, wo eigentlich die Unterschiede zwischen Recycling, Downcycling und Upcycling liegen.



RE-, DOWN- ODER UPCYCLING? DAS IST HIER DIE FRAGE!

Wir sollen unseren Müll recyceln, in Do-it-yourself-Communities wird kreatives Upcycling betrieben, aber Umweltschützer beschweren sich zunehmend über das Downcycling von Produkten. Für jene, die diese Begrifflichkeiten etwas verwirrend finden, haben wir zu allen drei Punkten eine kurze Erklärung parat: [1] [2] 

  • Recycling ist der Überbegriff für alle Arten von Wiederverwertung und erneuter Nutzung. Gemäß seiner wörtlichen Bedeutung (re = wieder, cycle = Kreislauf) will man bei diesem Verfahren Produktions- und Konsumabfälle zurück in den Wirtschaftskreislauf bringen, um sie nochmals als Rohstoff verwenden zu können. So wird beispielsweise aus weggeworfenen PET-Flaschen ein Granulat erzeugt, aus dem wiederum andere Verpackungen und Funktionsstoffe gewonnen werden können.
  • Wenn es dabei zu einer Wert- oder Qualitätsminderung kommt, was ziemlich oft der Fall ist, spricht man auch von Downcycling. Es werden zwar auch gebrauchte Produkte recycelt, doch diese verlieren bei jedem Durchgang an Wert, bis schlussendlich ein Abfallprodukt entsteht, das man nicht mehr weiter verarbeiten kann. Ein Beispiel zur besseren Veranschaulichung: Die Qualität von Altpapier wird mit jedem Verwertungskreislauf schlechter, zuletzt wird es zu Klopapier verarbeitet. Downcycling kann man allerdings verzögern, indem man aus den Recycling-Stoffen langlebigere Produkte herstellt.
  • Wenn hingegen gebrauchte Gegenstände bzw. Abfallstoffe nach ihrem eigentlichen Produktlebenszyklus kreativ und höherwertig verwendet werden, spricht man von Upcycling. Bei dieser Art der Verwertung wird das ursprüngliche Produkt relativ wenig verändert. Ein Beispiel: Aus ehemaligen LKW-Planen werden bunte Taschen und Rucksäcke hergestellt.

So weit, so gut! Wie könnte man aber die folgenden innovativen Ansätze bezeichnen, bei denen aus Lebensmittelresten einfach etwas vollkommen Neues entsteht? Wo die Qualität weder gesteigert noch gemindert wird, sondern aufgrund eines bestimmten Verfahrens einfach etwas ganz Anderes entsteht? Gute Frage! New-Cycling?

Vielleicht ist das Etikett aber auch gar nicht so wichtig, sondern vielmehr die Tatsache, dass immer mehr Bewegung in die Sache kommt. Linda Senoner hat sich jedenfalls auf die Suche gemacht und wird uns nun drei Beispiele vorstellen, die nicht nur innovativ sind, sondern zudem auch zeigen, dass man nicht zwangsläufig "groß" sein muss, um ein "Cycler" zu sein.

 


BEISPIEL 1:
Spirituosen aus Altbrot reduzieren Lebensmittelverschwendung


Lebensmittelverschwendung ist besonders in den Industrieländern weit verbreitet: Oft werden Lebensmittel weggeworfen, die eigentlich noch genießbar wären – darunter auch Grundnahrungsmittel wie Brot. Österreich stellt diesbezüglich keine Ausnahme dar, auch hier landet jedes fünfte Brot auf dem Müll. Diese Verschwendung will die Familie Aschauer in ihrem Traditionsbetrieb nicht länger hinnehmen. Die kleine oberösterreichische Bäckerei steigt nun neben der Herstellung von Backwaren auch in die Produktion bzw. den Verkauf von Spirituosen ein. Altes Brot, das keine Käufer mehr findet, soll als Grundlage für hochprozentigen Alkohol dienen. Es wird "zerstückelt" zu einer Destillerie in Niederösterreich gebracht, dort eingemaischt und dann mehrfach destilliert. Auf diese Weise entstehen sozusagen "hochBROTzentige" Spirituosen wie „Brotka“, „Brotginsky und „Brotuzo“, die wiederum von der Familie Aschauer angeboten und verkauft werden. Mit einem Kilogramm Altbrot kann eine Halbliter-Flasche gefüllt werden. Die Familie trägt somit zumindest zu einem kleinen Teil dazu bei, alte Lebensmittel wiederzuverwenden und die Brotverschwendung zu reduzieren. [3]


BEISPIEL 2:
Obstkerne werden für Lebensmittel- und Kosmetikproduktion wiederverwertet


Jährlich fallen in Europa bis zu 550.000 Tonnen Steinobstkerne an. Da diese sonst entsorgt oder verheizt werden, aber wertvolle Inhaltstoffe wie Proteine und Fettsäuren enthalten, bereitet das österreichische Start-up Kern Tec die Kerne für die Lebensmittel- und Kosmetikproduktion auf. Dies soll nicht nur den Obstbauern zugute kommen, sondern auch den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen fördern. Aus den Kernen gewinnt das Start-up Schalen, Mehle, Öle und Samen. Diese können vielseitig eingesetzt werden. So eignet sich Öl aus Marillenkernen besonders gut für Backwaren, die Inhaltsstoffe von Pflaumen- und Kirschsamen wiederum werden aufgrund ihrer günstigen Eigenschaften als Botenstoffe in der Gesichts- und Körperpflege verwendet. Wenn man sie vom Blausäuregehalt befreit, eignen sich die Samen zudem als gesunder Snack. Die Kernschalen können zu feinem Granulat verarbeitet werden und somit Mikroplastik ersetzen, welches sonst bei Peeling-Produkten oder auch zur Oberflächenreinigung zum Einsatz kommt. Die Obstkerne bezieht das Start-up mittlerweile aus ganz Europa. Sie werden in den Herkunftsländern gereinigt, gewaschen und getrocknet und in Österreich veredelt und international weiterverkauft. Kern Tec spaltet die Kerne selbst – mit den neu in Betrieb genommenen Maschinen können in kurzer Zeit mehrere tausend Tonnen Kerne verarbeitet werden. [4]


BEISPIEL 3:
Reisschalen dienen der Stromerzeugung


Weltweit fallen bei der Reisernte ca. 85 Millionen Tonnen Schalen an. Anstatt diese wiederzuverwerten, entsorgt man sie aber meist einfach als Abfall. Das Projekt CARE, an dem auch das Fraunhofer-Institut für Umwelt, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen beteiligt ist, will dies nun ändern. Das Projekt sieht vor, Reisschalen biotechnisch zu verwerten und für die Stromerzeugung zu nutzen. Da es sich bei den Schalen um organischen Abfall handelt und ihr Feuchtigkeitsgehalt sehr gering ist, eignen sie sich ideal als Energielieferant. Bei der nun entwickelten Methode werden die Reisschalen pelletiert und danach in speziellen Biomassevergasern behandelt. Die brennbaren Gase, welche in den Vergasern entstehen, werden in Energie umgewandelt. Das macht die Reisabfälle zu einem wertvollen Rohstoff. Besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern, wo Strom oft mithilfe von Dieselmotoren erzeugt wird, wären sie eine umweltfreundliche Alternative, da bei der Stromerzeugung mit Reisschalen nur so viel Kohlendioxid freigesetzt wird, wie die Pflanze vorher aus der Luft gefiltert hat. Von dieser deutlich umweltschonenderen Methode könnte auch Europa profitieren, da auch in vielen südeuropäischen Ländern insgesamt jährlich bis zu drei Millionen Tonnen Reis geerntet und die Schalen auch hier als Abfall entsorgt werden. [5]

 


Wir hoffen, wir konnten Sie mit diesen Beispielen zu einem "neuen" Denken in Kreisläufen anregen.

Linda und das gesamte in-manas-Team 


II

QUELLEN UND LESETIPPS:

[1] Recycling, Upcycling und Downcycling – was ist das?

[2] Wohin damit? Recycling, Upcycling, Downcycling  

[3] Gegen Lebensmittelverschwendung: Bäckerei produziert aus Altbrot Spirituosen 

[4] Kernspaltung für mehr Nachhaltigkeit 

[5] Strom aus Reisschalen statt aus Dieselgeneratoren: 1,15 Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger



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Die Autorin

Foto: Linda Senoner
Linda Senoner
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Linda ist für in-manas nicht nur im Marketing-, sondern auch im Scouting-Team tätig. Dabei verbindet sie die Suche nach spannenden Trends & Innovationen mit ihren privaten und beruflichen Interessen. Oder anders formuliert: Für die Bereiche "Tourismus, Freizeit und Wellness", "Pharma & Gesundheit", "Energie & Nachhaltigkeit" sowie "Medien & Marketing" findet sie laufend Best-Practice-Beispiele und innovative Ansätze, anhand derer sich sämtliche Branchen und Bereiche für die eigene Innovationsarbeit inspirieren lassen können.