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Künstliche Intelligenz & Nachhaltigkeit: ein Widerspruch?

Baum, der von einer Roboterhand gehalten wird

Das in-manas-Team auf den Spuren des Megatrends: 
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
Transhumanismus


Warum wir den "Posthumanismus" nicht anstreben und stattdessen mehr "intelligente Brücken" bauen sollten


In seinem jüngsten Buch "Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens" geht der Philosoph Richard David Precht hart ins Gericht mit den "Machern" vom Silicon Valley, die von "potenzierten Gehirnen" und einer zunehmenden Verschmelzung von Mensch und Maschine träumen.


Getrieben von trans- und posthumanistischen Visionen – und damit vom Ziel, das gegenwärtige menschliche Stadium schnellstmöglich zu überwinden ­– wird die Entwicklung einer Künstlichen Intelligenz forciert, die alles können soll, was wir Menschen auch können ... nur eben "optimierter". Unsere Welt verändert sich im Eiltempo und Richard David Precht stellt daher die berechtigte Frage, was Maschinen in Zukunft erlaubt sein soll – und was nicht – und versucht zu veranschaulichen, welche Grenzen aufgezogen werden müssen, damit unsere Zukunft "human" bleiben kann. Zudem zeigt er auf, dass wir nicht mehr länger den UNBEGRENZTEN FORTSCHRITT und die UNGEBREMSTE ZERSTÖRUNG der natürlichen Lebensgrundlagen als etwas voneinander Getrenntes betrachten dürfen, auch wenn wir nur allzu gerne glauben wollen, dass sich diese beiden "Linien" erst in der Unendlichkeit schneiden. [1]

Zwischen dem Kampf um die Erhaltung der ökologischen Lebensgrundlagen und der Produktion immer leistungsfähigerer Rechen- und Mustererkennungsmaschinen fehlt jede echte Brücke ...  

RICHARD DAVID PRECHT

Dabei würden zahlreiche KI-Anwendungen enormes Potenzial zur Bekämpfung des Klimawandels bieten, meint der Philosoph in einem Interview von t3n. Allerdings lasse sich diesbezüglich keine Fokus erkennen, "weil sich die Verantwortlichen (...) keine Fantastillarden davon versprechen." Ein weiterer Kritikpunkt – unabhängig vom "Einsatzgebiet": Bei künstlich-intelligenten Systemen wird viel Energie verbraucht, die nach wie vor zu einem großen Teil von fossilen Energieträgern stammt. [2] Eine "Kosten-Nutzen-Rechnung" würde nur stimmen, wenn sich

  • die Zugewinne an menschlicher Lebensqualität und
  • der Verlust an Natur, Ressourcen und biologischen Lebensbedingungen

miteinander abgleichen ließen. Erst dann könne man von einem echten Fortschritt sprechen, so Richard David Precht. [1]

Dieser Meinung können wir uns nur anschließen und wir haben uns aus diesem Grund auf die Suche nach annähernd "echten" Innovationsbeispielen – im Precht'schen Fortschrittssinn – gemacht, auch wenn wir dabei feststellen mussten, dass noch "viel Luft nach oben" vorhanden ist.

Jedenfalls hoffen wir, mit diesem Beitrag im wahrsten Sinne dazu "beizutragen", Künstliche Intelligenz bzw. Artificial Coworking verstärkt mit der Brille der Nachhaltigkeit zu betrachten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Traum so mancher "Posthumanisten" – nämlich unser menschliches Stadium schnellstmöglich zu überwinden  –  wahr wird, wenn auch nicht im visionären Sinn ...
 

Drei Inspirationsbeispiele als "Brücke" zu mehr Nachhaltigkeit

 


BEISPIEL 1:
Fernerkundungsmethode zur Erfassung von Schadstoffwerten


Damit Klimaschutzmaßnahmen gezielt und effektiv durchgeführt werden können, ist es notwendig, die Gesamtemissionen verschiedenster Prozesse zu kennen. Bislang wurden die Schadstoffwerte ausgestoßener Gase von beispielsweise Deponien oder Biogasanlagen mithilfe von punktuellen Messungen in Nähe der Anlage erhoben und anschließend hochgerechnet. Dieses Verfahren geht jedoch mit gravierenden Ungenauigkeiten einher. Forscher der Universität Stuttgart haben nun eine neue Fernerkundungsmethode entwickelt, um Schadstoffkonzentrationen umfassender und präziser erfassen und modellieren zu können. Das System arbeitet mit der sogenannten Fourier-Transformationsspektroskopie (FTIR), einer Infrarot-Messmethode. Das vollwertige Messsystem wiegt weniger als zehn Kilogramm und wird an einer Schwerlastdrohne befestigt. So können Abgasfahnen in verschiedenen Höhen und bei unterschiedlichen Windverhältnissen gemessen und deren Ausbreitung modelliert werden. Das System wird bereits in einem vom Staat geförderten Projekt getestet und weiter optimiert.

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BEISPIEL 2:
Lokalisierung von Plastikmüll im Ozean via Satelliten und KI


Forschende des Plymouth Marine Laboratory (England) und der Universität der Ägäis (Griechenland) haben ein Verfahren erarbeitet, bei dem hochauflösende Satellitenbilder dazu verwendet werden, Plastikmüll im Ozean zu identifizieren und zu lokalisieren. Bilder des Sentinel-2-Satelliten der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA wurden dafür verwendet, optische Signaturen in Lichtwellenlängen ausfindig zu machen, die häufig von schwimmenden Kunststoffen ausgehen. Aufgrund der riesigen Datenmengen wurde zudem eine Künstliche Intelligenz entwickelt, die die Bilder analysiert und Ansammlungen von Plastik erkennen soll. Dabei erreichte der intelligente Algorithmus eine Trefferquote von 86 Prozent. Zukünftig könnten solche Auswertungen die Kosten für die Säuberung der Ozeane deutlich senken und das Einsammeln von Plastikabfällen für Behörden und kommerzielle Einrichtungen attraktiver machen.  

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BEISPIEL 3:
KI-Softwarelösung zur Steuerung von Energiesystemen in Städten


greenventory, ein Start-up-Unternehmen mit Sitz in Deutschland, bringt den Energiewandel in die Städte: Das Start-up bietet Energieversorgern, Netzbetreibern und Kommunen hochauflösende Daten und Softwaretools für die vorausschauende Planung nachhaltiger Energiesysteme. Das System zur automatisierten Inventarisierung, Analyse und Optimierung berücksichtigt Strom, Wärme und Mobilität. Das Hightech-Unternehmen ist eine Gründung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und des Fraunhofer ISE. Die Software stellt verschiedene Datenquellen wie Satellitenbilder, statistische Daten, Klimadaten und IoT-Daten automatisch zusammen. Anschließend analysiert sie die Daten mit KI-Algorithmen, reichert sie an und verknüpft sie mit Energiesimulationsmodellen.
 

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QUELLEN & LESETIPPS

[1] vgl. Precht, R. D. (2020). Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens. München: Wilhelm Goldmann Verlag.

[2] vgl. t3n digital pioneers (4. Quartal 2020). Good Vibes Only. Herr Precht, ist denn der Mensch so einzigartig?


 

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