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Kleine Nüsse, groß(artig)es Projekt

Nüsse in einer umweltfreundlichen Verpackung

in-manas auf den Spuren von Innovationen rund um den Megatrend „Energie, Klimawandel und Nachhaltigkeit“

NACHHALTIGER UND ETHISCHER KONSUM

Mit nahrhaften Nüssen nicht nur den eigenen Körper „beleben“, sondern gleich ein ganzes Dorf in Moldau


Dass Walnüsse gesund sind und den Körper mit Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen versorgen, ist bekannt. Doch dass sie sogar ein gesamtes Dorf in Moldau wirtschaftlich versorgen und kulturell beleben können, zeigen Figen und Markus Webhofer und drei Freunde, die 2011 gemeinsam einen sozial-ökologischen Walnussgarten ins Leben gerufen haben. Das Ergebnis? Wanu – Walnüsse der besonderen Art.


Gut zehn Jahre ist es her, dass mit den ersten Setzlingen der Anfang gemacht wurde für eine Walnussplantage in Ciuciulea, einem kleinen Dorf im Norden der Republik Moldau. Mittlerweile stellt der Baumbestand die Lebensgrundlage für über 80 Familien dar – in einer Region, die wirtschaftlich am Boden liegt. Dank dieses Projekts können heute zahlreiche Eltern in diesem Dorf mit ihren Kindern zusammenleben, weil sie für den Broterwerb nicht mehr ins Ausland ziehen müssen, was in Moldau leider die Regel ist. Aber damit nicht genug: Die bisher gepflanzten 26.000 Bäume binden heute 13.000 Tonnen CO2.

Wanu ist für alle da – für die Familien mit ihren Kindern vor Ort, für die Natur und für die Gesundheit der Konsumenten. Angetan von dieser Idee und diesem Projekt, fragten wir nach und führten mit Figen und Markus Webhofer ein ausführliches Gespräch.
 

in-manas im Gespräch mit Figen und Markus Webhofer


ÜBER DIE ANFÄNGE VON WANU UND DIE URSPRÜNGE DER TREE SPIRIT GMBH


in-manas: Wie ist es zu eurem Projekt gekommen? Wie ist die Idee entstanden?

Markus Webhofer: Wie bei vielen Dingen war auch hier der Zufall im Spiel. Ein guter Freund von mir, der kurzfristig in ein Sozialprojekt in Moldau eingebunden war, erzählte von den extremen Lebensumständen der Familien, von der Armut und der enormen Perspektiv- und Aussichtslosigkeit der Kinder, die dort aufwachsen. Viele Kinder vereinsamen dort, da ihre Eltern im Ausland arbeiten, um Geld für das Nötigste nach Moldau zu senden. Kinder und Jugendliche landen in der Regel auf der Straße, da es nichts gibt, keine Arbeit, keine Hoffnung und damit keine Zukunft. Nach vielen gemeinsamen Gesprächen, wie wir im Kleinen wirken könnten, haben wir entschieden, einen Walnussgarten ins Leben zu rufen, der Arbeitsplätze schaffen und den Menschen eine Lebensgrundlage bieten sollte. Der Zweck war von Anfang an ein sozialer. Zu Beginn ging es um die Frage, an welchem Ort wir solch einen Garten anlegen konnten. Nach vielen Umwegen sind wir im Norden von Moldau gelandet, in einem kleinen Dorf namens Ciuciulea. Wenn wir mit den Leuten über unser Vorhaben gesprochen haben, hat uns niemand geglaubt, da das Misstrauen aus der Zeit des Kommunismus enorm war. So haben wir begonnen, kleine Parzellen zu kaufen und Schritt für Schritt zu erschließen. Damals war es so, dass die Einheimischen gar nicht wussten, wo ihre Flurstücke lagen, als das Land aufgeteilt wurde. Im Grundstückskataster haben wir die Parzellen der Einheimischen gesucht und mit solchen getauscht, die in unmittelbarer Nähe des Dorfes gelegen sind. Das hatte den großen Vorteil, dass die Familien Gemüse, Getreide etc. endlich in der Nähe ihrer Häuser anbauen konnten. Als wir die ersten Parzellen zusammengeführt hatten, ging es ans Pflanzen. Die Böden in dieser Region und das kontinentaleuropäische Klima sind für Walnüsse hervorragend geeignet, und vor Ort haben sie außerdem Tradition.

 

Als Mitgründer dieses Walnussgartens habe ich diese Idee von Anfang an mit Überzeugung begleitet. Das ehrliche Wohlergehen für Natur und Mensch ist das Herzstück dieser Idee. Das ist mein kleiner Beitrag für eine bessere Welt.

MARKUS  WEBHOFER
Mitgründer der Tree Spirit GmbH

Markus Webhofer: Wir wussten natürlich, dass es viele Jahre dauern würde, bis die ersten Früchte geerntet werden können. Im Sinne des Geschäftsmodells haben wir sodann ein Verarbeitungsgebäude gebaut, in dem die Nüsse gewaschen, getrocknet und geschält werden. Außerdem haben wir Bauern und Sammlern wilder Walnüsse ihre Ware abgekauft. Mit der Verarbeitung konnten wir bereits viele Arbeitsplätze schaffen. Aber dann zeigte sich, dass die unterschiedlichen Qualitäten und Sorten kaum zu verkaufen waren. – Der Beginn war schwierig. Wir haben viele Fehler gemacht. Wenn wir all das im Vorfeld gewusst hätten, bin ich mir nicht sicher, ob wir das gestartet hätten.


ÜBER DIE GRÖSSTEN HÜRDEN


in-manas: Was waren die größten Herausforderungen?

Markus Webhofer:  Da gab es sehr viele: das Land, die kommunistische Sozialisierung der Menschen und Prägung der Kultur, die Korruption in der Politik, die finanziellen Rahmenbedingungen. Zu Beginn waren wir drei Freunde aus Österreich, die das gemeinsam finanzierten, einige Jahre später kam noch ein vierter dazu. Es war uns wichtig, dass diese Idee von einem Freundeskreis getragen wird, aber finanziell war es nicht einfach, diese Plantage über zehn Jahre zu halten und zu führen.

Ein Kapitel für sich war, Arbeitsprozesse einzuführen und Qualitäts- und Hygienekonzepte nach unseren Standards zu entwickeln und umzusetzen. Das waren die Menschen nicht gewohnt. Sie kannten es nicht, feste Zeiten zu haben, beispielsweise um neun Uhr mit der Arbeit zu beginnen. Die Mitarbeiter tauchten einfach irgendwann auf oder auch gar nicht. Es hat einige Jahre gedauert, unter diesen Umständen ein funktionierendes Unternehmen aufzubauen.

in-manas: Stand die Idee oder das Konzept von Wanu von Anfang an fest?

Markus Webhofer: Ich würde sagen: Ja. Theoretisch war das klar, aber praktisch zu Beginn enorm schwer ins Leben zu rufen. Wichtig war uns zu jeder Zeit der soziale Gedanke, die Stabilisierung der Familien über diese Arbeit vor Ort. Selbstverständlich waren auch die hundertprozentig ökologische Orientierung und unser volles Commitment zur Top-Qualität der Nüsse. Wir haben von Anfang an nur die besten Sorten gepflanzt, nämlich Fernor und Chandler. Beide Sorten gab es in Moldau nicht, und eine behördliche Genehmigung haben wir dafür erst Jahre später erhalten. Pestizide und künstliche Zusatzstoffe zur Düngung der Böden lehnten wir total ab – es ist uns wichtig, die Pflanzen und die Flächen ausschließlich natürlich zu behandeln.

in-manas: Wo und wie verkauft ihr eure Ware?

Markus Webhofer: Wir wollten mit den Sammelnüssen den Lebensmittelhandel beliefern, aber das ging gehörig schief. Farbe, Größe, Feuchtigkeitsgehalt etc. entsprachen nicht der Norm. Das waren zu Beginn nur wilde, gesammelte Nüsse, die uns die Bauern brachten. Die Plantage warf noch nichts ab, denn bis zur ersten kleinen Ernte dauerte es immerhin beinahe zehn Jahre. In vielen mühsamen Schritten hatten wir mit Bauern aus der Region Qualitätskriterien für den Zukauf erarbeitet. Doch als sich dies einigermaßen eingespielt hatte, verhängte die Regierung ein Exportverbot. Nur noch der Schwiegersohn des Premierministers durfte exportieren. So viel zur Korruption … Daraufhin entschieden wir uns für die Lohnfertigung für französische Großhändler. Diese kaufen die Nüsse, wir vor Ort schälen und sortieren und exportieren dann. So konnten wir die Arbeitsplätze sichern. Ein gewinnbringendes Geschäft war das nie, aber es half, die Kosten zu decken.

Figen Webhofer: Heute haben wir eine eigene Ernte von 24 Tonnen pro Jahr. Es erschien uns sinnvoll, einen direkten Absatzweg zum Konsumenten aufzubauen. Üblicherweise läuft es ja sonst so: Im Lebensmittelhandel wandern die Walnüsse in eine Eigenmarke, in Plastik verpackt, und die gesamte soziale Story geht völlig verloren. Außerdem sind die Einkaufspreise im Handel derart tief, dass wir die Handarbeit damit kaum finanzieren können. Doch dass wir vor Ort alle Schritte von Hand erledigen, ist für uns ein wichtiger Punkt, denn das sichert die Arbeitsplätze.


DER WEG ZUR ONLINE-PLATTFORM


in-manas: Wie ging es dann weiter? Mittlerweile erfolgt der Verkauf ja über eine Online-Plattform.

Figen Webhofer: Ja, genau. Unter www.wanu.at verkaufen wir heute die Bio-Walnuss-Baumpatenschaften. Dafür erhält man die volle Ernte eines Baumes, alles von Hand geerntet, geschält und sortiert. Nur so funktioniert dieses Dorf mit seinen Familien. Wir wollen, dass die Menschen mit ihrer Patenschaft einen echten Beitrag für diese soziale Idee leisten. Das lässt sich nur über diese Baumpatenschaften bewerkstelligen, die weit mehr sind als der Onlinekauf von Walnusskernen. Der Verkauf steht für unser Projekt nicht an erster Stelle.

Und die Ökologie ist natürlich genauso wichtig. Die Verpackungen sind plastikfrei und recycelbar. Die Kartons stammen aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Sogar der Druck erfolgt klimaneutral in Österreich, die Farben sind lebensmittelecht. Je mehr Menschen pflanzliche Produkte essen – und dazu gehören Walnüsse natürlich –, desto besser für die Umwelt, und gesünder ist es noch dazu. Wanu ist ein ganzheitliches Konzept und kein geldorientiertes Unternehmen. Wir wollen mit dieser nachhaltigen Idee eine Zukunftsperspektive vorleben, die weit über den Walnussgarten hinausgeht.

 

Ich bin begeistert davon, Verantwortung dafür zu übernehmen, Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen, alles im Einklang mit der Natur zu gestalten und dabei die Gesundheit aller zu fördern. Das ist meine Vorstellung von echter Nachhaltigkeit.

FIGEN WEBHOFER
Geschäftsführerin der Tree Spirit GmbH

in-manas: Wie muss man sich das heute vor Ort vorstellen? Wie funktioniert die Arbeit in und mit dem Dorf?

Markus Webhofer: Es ist uns sehr viel gelungen. Zum Beispiel haben wir Dorfbrunnen für die Trinkwasserversorgung gebaut und landwirtschaftliche Parzellen für die Einheimischen angelegt. Wir haben mittlerweile zahlreiche Förderprogramme im Bereich Kunst und Kultur für Kinder und Jugendliche eingerichtet, eine Musikschule für Kinder ins Leben gerufen und einen Fußballclub für Frauen gegründet und einen für Männer. Die Frauen werden Jahr für Jahr Landesmeister. Es ist eine Art Dorfleben entstanden, und am wichtigsten: Eltern und Kinder sind beisammen. Das hat vor Ort alles verändert. Und all das bewirkt nur die Handarbeit, denn Maschinen kommen kaum zum Einsatz. Nur so können wir die Arbeitsplätze sichern. Die 26.000 Bäume wurden händisch gesetzt, das Unkraut gejätet, jede einzelne Walnuss wird von Hand geschält, nach Größe sortiert und verpackt. Es ist die Handarbeit, die die Arbeitsplätze und das Beisammensein der Familien vor Ort sichert.

in-manas: Vielen Dank für das interessante Gespräch an euch beide!
 


„WARUM NUR DARÜBER SCHREIBEN?“, HABEN WIR UNS GEDACHT


Dies ist also die „Geschichte“ von Wanu. Ein Best-Practice-Beispiel eines zeitgemäßen Geschäftsmodells, wie wir finden, das dem immer stärker ausgeprägten Bedürfnis der Menschen nach neuen Quellen für einen nachhaltigen und ethischen Konsum entgegenkommt. 

Am Ende dieses Gespräches waren wir nicht nur schlauer, sondern auch noch begeisterter als zuvor. Und deshalb sind wir jetzt Baumpate. Das heißt: Für das in-manas-Team steht mittlerweile eine Zehn-Kilogramm-Box mit Bionüssen bereit, die wir unseren Mitarbeitern auch dank der kleinen Geschenkverpackungen „wohlportioniert“ ins Homeoffice schicken können. Das Superfood soll ja bekanntlich auch fürs Hirn gut sein, und unsere Leute müssen sich nun einmal laufend Gedanken zur Konzeption und Weiterentwicklung unseres digitalen Management- und Consulting-Assistenzsystems machen. ;-) Eine gute Investition in jeder Hinsicht, davon sind wir überzeugt.


VIELLEICHT WOLLEN SIE NICHT NUR DARÜBER LESEN?


Auch Sie möchten Ihre Mitarbeiter oder Kunden mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgen und gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten? Dann werden Sie doch einfach ebenfalls Baumpate.

ZUR BAUMPATENSCHAFT

 

II


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