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Innovativ? Mit Sicherheit!

In einen Hoody versteckte Person - im Hintergrund Datenscreens


Angelika Moser auf den Spuren des Megatrends „Sicherheit und Transparenz“


Auf den Spuren von Hidden Figures, gemorphten Passbildern und Sozialarbeitern auf vier Pfoten


Um Kriminalität entgegenzuwirken, entwickeln zahlreiche Organisationen vielfältige Maßnahmen und Initiativen. Dabei ist Kriminalprävention nicht nur eine Aufgabe der Exekutive samt Polizei, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der nicht zuletzt Unternehmen und nichtstaatliche Organisationen eine tragende Rolle spielen können. Angelika Moser – Innovation Scout bei in-manas – hat sich für uns auf die Suche nach innovativen Ansätzen gemacht, die einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung gegen Radikalisierung und Kriminalisierung leisten, aber auch in Sachen Resozialisation von Gefängnisinsassen wertvolle Impulse liefern. 



Handyspiel sensibilisiert für Radikalisierung im Netz

Radikalisierung ist oft ein schleichender Prozess und findet im digitalen Zeitalter häufig im Internet und auf sozialen Plattformen statt. Hat die radikalisierte Person erst einmal extreme politische, soziale oder religiöse Überzeugungen entwickelt, ist ein Gegensteuern sehr schwierig. Doch wie erkennt eine Person, dass sie im Begriff ist, auf extremistische Codes und Verschwörungsmythen „hereinzufallen“? Ein Handyspiel soll dafür sensibilisieren. „Hidden Figures“ – also „Verborgene Zeichen“ – wurde von der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt in Zusammenarbeit mit einer Spielefirma und Illustratoren entwickelt und hilft, Symbole und Codes zu erkennen, die auf den ersten Blick nicht rassistisch, antisemitisch oder islamistisch erscheinen. Da soziale Medien ein „beliebter“ Ort der Radikalisierung sind, setzt das Spiel genau dort an. In einem simulierten sozialen Netzwerk können die Spielenden unter anderem Inhalte teilen, chatten und auf Kommentare der anderen User reagieren. Das Spiel besteht aus unterschiedlichen Episoden, in denen Elemente rechten und islamistischen Extremismus verdeutlicht werden. Ziel des Spiels ist es, Jugendliche zu befähigen, problematische Inhalte zu erkennen, und ihnen Argumente sowie Handlungen näherzubringen, mit denen sie gegenüber extremistischen Aussagen Stellung beziehen können. Gelingt dies im Spiel, kann dies – im besten Fall – auch in der Realität umgesetzt werden. [1]
 

Neue Methode erkennt gemorphte Passbilder

Mittels Face Morphing manipulieren Kriminelle Reisepässe und überlisten Passkontrollen. Dabei werden Bilder von zwei Gesichtern übereinandergelegt, wobei das neu entstandene Gesicht den beiden Originalen stark ähnelt. Frei zugängliche Apps machen das Erstellen eines gemorphten Gesichts zu einem Kinderspiel. So können eine unbescholtene und eine vorbestrafte Person ein- und denselben Pass verwenden. Dass gemorphte Passbilder tatsächlich ein Problem darstellen, ist durch Studien belegt. Sowohl ABC Gates (Automated Border Control Gates) als auch „reale“ Grenzbeamte fallen auf die Täuschungen hinein. Um des Problems Herr zu werden, ist es in Deutschland beispielsweise gesetzlich so geregelt, dass Passbilder entweder direkt im Passamt gemacht oder von einem lizensierten Fotografen inklusive digitaler Signatur erstellt werden. Photo response non-uniformity (kurz PRNU) – die neue Methode des Salzburger Computerwissenschaftlers Andreas Uhl – liefert einen anderen Ansatz. PRNU, ein einzigartiger Fingerabdruck der Kamerasensorzellen, ermöglicht eine eindeutige Zuordnung der Fotodaten. Bei übereinandergelegten Fotos werden diese PRNU-Daten verändert und dank eines Morphing-Erkennungs-Algorithmus „entlarvt“. Die generische Methode, die übrigens genauer ist als bisherige Verfahren, benötigt weder Machine Learning noch andere KI, um gemorphte Bilder zu erkennen. Ein Training ist somit überflüssig. Damit einhergehende Risiken des Nichterkennens neuer Morphingattacken sind hinfällig. Als Nächstes möchten die Wissenschaftler eine Möglichkeit (etwa eine App) entwickeln, sichere Passfotos mit dem eigenen Handy zu erstellen. So würde verhindert, dass gemorphte Passbilder überhaupt beim Passamt „landen“. [2]


Innovatives Hundeprogramm gibt Tierheimhunden und Gefängnisinsassen zweite Chance

Hunde in einem Hochsicherheitsgefängnis? Kaum vorstellbar und doch Realität. Tierheime sind in den USA chronisch überfüllt und können sich ein Durchfüttern aller Tiere auf Dauer nicht leisten. In der Konsequenz müssen viele Heimtiere eingeschläfert werden. Paws for Life K9 Rescue – eine gemeinnützige Organisation aus dem kalifornischen Santa Monica – wollte nicht mehr tatenlos zusehen und verfrachtete „gefährdete“ Hunde kurzerhand in ein Hochsicherheitsgefängnis. Die Häftlinge sollten ihnen unter professioneller Anleitung Grundbefehle beibringen, damit sie eine Chance auf Adoption hätten. Doch es kam anders. Denn die Hunde gaben den – großteils zu lebenslangen Strafen verurteilten – Insassen wieder einen Sinn. Mit erstaunlichem Erfolg für Zwei- und Vierbeiner: Bis dato konnten 40 Häftlinge den sogenannten Recall of Commitment in Anspruch nehmen, ein Gesetz, das eine Begnadigung ermöglicht, auch bei lebenslangen Haftstrafen. Voraussetzung ist, dass der Betroffene auf außergewöhnliche Weise zum Gemeinwohl beiträgt. Bestes Beispiel ist der Programmdirektor von Paws for Life, war er doch selbst einmal Insasse und konnte mit tierischer Hilfe seine Freiheit zurückgewinnen. Um die Sicherheit der Hunde zu gewährleisten, dürfen nur Personen am Programm teilnehmen, die in den vergangenen zwei Jahren keine Disziplinarverstöße begangen haben. Paws for Life könnte ein Meilenstein zur längst überfälligen Gefängnisreform sein. Ziel der Organisation ist es nun, andere Gefängnisse von ihrem Programm zu überzeugen. [3]


Mit Sicherheit war auch für Sie etwas Neues dabei. Und vielleicht konnten Sie mit diesen drei Beispielen aus unserem Innovationskompass Anregungen für eine bedarfsgerechte und zielgruppenorientierte Präventions- und Resozialisierungsarbeit erhalten. 

Angelika und das gesamte in-manas-Team

II

QUELLEN UND VERTIEFUNGSTIPPS

[1] Hidden Codes: Mit Handyspiel gegen Antisemitismus empowern

[2] Neue Methode erkennt gefälschte Fotos in Reisepässen

[3] Pfoten hoch!


SCHON GEWUSST?

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Die Autorin

Angelika Moser
Angelika Moser
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Angelika ist selten sprachlos – nicht nur, weil sie mehrere Sprachen spricht, sondern auch, weil sie neben ihren Krimis und Kurzgeschichten laufend Innovationsbeispiele für unseren Kompass bzw. unser Trendradar schreibt. Sie studierte Übersetzungswissenschaften in Innsbruck und Rechtswissenschaften in Linz und ist immer auf der Suche nach neuem Wissen. Bei den Megatrends haben es ihr insbesondere „Energie & Umwelt“, „Medizin, Gesundheit & Selbstoptimierung“ sowie „Tourismus“ angetan. Und natürlich fasziniert sie alles rund um den Themenblock „Staat, Recht, Gleichberechtigung und Sicherheit“.