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Einmal Plastikplanet, immer Plastikplanet?

Erde halb im Meer versunken, das mit Plastik gefüllt ist

Marika Mochi auf den Spuren von Innovationen rund um den Megatrend „Energie, Klimawandel und Nachhaltigkeit“

Wie wir mit innovativen Ansätzen und Trends dem Kunststoffzeitalter entfliehen könnten


Kunststoffe waren das Material des 20. Jahrhunderts. Es war und ist billig, haltbar und kann in den tollsten Farben bedruckt werden. Doch inzwischen wissen wir, dass dieses Wundermaterial, das mittlerweile überall ist – etwa in Verpackungen, Kleidung und Kosmetikartikeln –, krank machende Giftstoffe abgibt und sich erst nach Jahrhunderten langsam zersetzt: sowohl an Land als auch in unseren Meeren. Dort landen jedes Jahr ca. acht Millionen Tonnen Plastik, wie auch die Initiative The Ocean Cleanup aufzeigt, was für viele Meeresbewohner tödlich endet, nicht zuletzt deshalb, weil sie mit vollen Plastikmägen verhungern. Zudem gelangen die Kunststoffe in Form von Mikropartikeln wieder in unseren Nahrungskreislauf.


Daher stellt sich die dringliche Frage, wie wir all das Plastik wieder aus unserem Leben bekommen. Mit diesem Beitrag möchten wir Ihnen auszugsweise ein paar Initiativen und Trends aus unserem Innovationskompass vorstellen, die langsam an Fahrt gewinnen. Die Beispiele zeigen, dass nicht nur Organisationen sowie Unternehmen dazu beitragen können, unseren Planeten vom Plastik zu befreien, der im Übrigen seit Kurzem aus acht Kontinenten besteht. Das ist Ihnen neu? Dann sollten Sie keinesfalls hier an dieser Stelle mit dem Lesen aufhören.


Der achte Kontinent – zur Säuberung der Ozeane

Die Verschmutzung der Meere durch Unmengen an Plastikabfall ist nach wie vor eines der größten von Menschen verursachten gegenwärtigen Desaster. Nun stellt ein Architektur-Konzept einen sich selbst tragenden, freischwimmenden „achten Kontinent“ vor, der die Abfälle aus den Meeren sammelt und direkt für das Recycling zerlegt. Die gigantische, autark existierende Station kombiniert neben dem Sammeln und Zerlegen auch ein Forschungs- und Bildungszentrum sowie Wohnräume für die Forscher. Zudem gibt es ein Gewächshaus, mit Sonnenkollektoren ausgestattet, in dem Hydroponik-Kulturen wachsen sollen und dafür das Wasser entsalzt wird. Die blütenblattförmigen Gebäude auf tentakelartigen Plattformen sind so angelegt, dass der Wind durch sie hindurchströmen kann, was sie beständiger macht. Sie fangen zudem Regenwasser auf und nutzen die Gezeiten- und Solarenergie. Als Standort hat die Designerin Lenka Petrakova, angestellt bei Zaha Hadid Architects, für das noch ungebaute Projekt den Great Pacific Garbage Patch vorgeschlagen, der selbst als achter Kontinent bezeichnet wird. Hier sammelt sich aufgrund der Meeresströmungen besonders viel Plastikabfall an. Design trifft Architektur und geht die brennenden Umweltproblematiken der Gegenwart an – für eine hoffentlich bessere Zukunft. [1]


Forschungsschiff im Dienste der Wissenschaft zur Rettung der Welt

Ganz im Dienste der Wissenschaft, Forschung und Innovation unterwegs. 22 wissenschaftliche Labore auf 300 Meter Länge und 13 Stockwerke verteilt, bieten 160 Wissenschaftlern Platz, sich einer Aufgabe zu widmen: den Klimawandel zu bekämpfen. Die Rede ist von der Earth 300, dem größten Forschungsschiff der Welt. Noch in Planung, wird sie mit dem besten Standard an High-End-Technologie wie Robotik, Software für KI sowie dem ersten kommerzielle Quantencomputer ausgestattet sein. So soll auf See bspw. eine neue Tracking-Technologie entwickelt werden, um die biologische Vielfalt zu schützen und den Erhalt der Ökosysteme zu fördern. Ein weiteres Thema ist der ganze Recycling-Sektor – hier sollen Ideen und Forschungsergebnisse zur Umwandlung von Abfall in verwertbare Produkte im Fokus stehen. Das Schiff wird zunächst emissionsfrei unterwegs sein; künftig soll es mit einem Schmelzsalz-Reaktor aufgerüstet werden, um sich vollständig autonom bewegen zu können. Die Entwürfe der Yacht stammen von Iddes Yachts, einem weltbekannten Schiffsarchitekturstudio ansässig in Barcelona. Initiator des Unternehmens ist Aaron Olivera, ein Unternehmer aus Gibraltar, mit Sitz in Singapur. Die Idee hinter Earth 300: Spitzen-Wissenschaftler mit den richtig Wohlhabenden der Welt zusammenzubringen, um die Forschung und die Arbeit an den Veränderungen, die unser Planet so dringend bedarf, bedingungs- und endlos fördern zu können. [2]
 

Plogging im Trend: wie sich sportliche Aktivitäten mit Umweltschutz vereinbaren lassen

Sport im Freien treiben und gleichzeitig auf die Umwelt achten, indem man Müll einsammelt? Plogging, so der Name einer globalen Bewegung mit ihren Anfängen in Schweden, scheint voll im Trend zu liegen. Der Begriff selbst ergibt sich aus der Kombination des schwedischen „plocka upp“, was „aufheben“ bedeutet, und des englischen „jogging“. Mittlerweile wird Plogging aber nicht nur beim Laufen betrieben, sondern wurde auf zahlreiche Aktivitäten wie Wandern, Mountainbiken oder Sporttauchen ausgedehnt. Was braucht man nun, um ein richtiger Plogger zu sein? Neben der eigentlichen Sportausrüstung empfiehlt es sich, Handschuhe zu tragen und Mülltüten mitzubringen. Wer während des Ausübens von Wassersportarten ploggen möchte, sollte ein wasserdurchlässiges Netz mitnehmen. Wenn man in Gruppen unterwegs ist, könnte der Abfall gleich entsprechend sortiert werden, indem jeder Person eine Müllart zugeordnet wird, von Glas über Plastik und Papier bis hin zu Batterien. Prinzipiell eignen sich alle Outdooraktivitäten – ob mitten in der Natur oder im städtischen Raum –, um Plogging zu betreiben. Der Fantasie für entsprechende Aktivitäten sollten jedenfalls keine Grenzen gesetzt werden angesichts der Tatsache, dass die Menge an Restmüll in den letzten Jahren leider überall weiter angestiegen ist. Vielleicht führen „findige“ Sportvereine bald Meisterschaften ein oder es tun sich neue Wettbewerbsformen zwischen Schulen, Kommunen oder Städten auf? Wer weiß? [3]


Sportlich unterwegs für einen guten Zweck

Sportlich aktiv sein und zeitgleich einen Beitrag für die Umwelt leisten klingt nach einer idealen Kombination. Diese Möglichkeit bietet nun ein Wassersportaktivitäten-Verleih in Singapur. Man kann an bestimmten Tagen Stand-up-Paddle-Bretter oder Kajaks kostenfrei ausleihen, wenn man während seiner Wassertour Plastikabfälle aus dem Wasser einsammelt. PAssion WaVe hat in Singapur sechs Standorte unmittelbar am Wasser gelegen; der Sportaffine wird unterstützend direkt mit Handschuhen, Eimer und Zange ausgestattet. Ein Sporttour ist jeweils auf zwei Stunden angesetzt. Also genug Zeit, um als bewusster Verbraucher in den aktiven Umweltschutz einzusteigen. [4]


Vielleicht lesen wir bald von Influencern, die mehr Plogger als Blogger sind? Jedenfalls hoffen wir, dass unsere Beiträge Sie zum NachdenkenüberWege zu einem plastikfreieren Planeten angeregt haben.

Marika Mochi und das in-manas-Team

II

 

QUELLEN UND VERTIEFUNGSTIPPS

[1] The 8th Continent

[2] The nuclear megayacht designed to save the world

[3] Die Plogging-Revolution

[4] Free kayak and SUP rentals for Singaporeans who collect trash while paddling


SCHON GEWUSST?

Mit dem in-manas-Trendradar können Sie die Entwicklungen und Auswirkungen aller relevanten Mega- und Makrotrends auf Ihr Unternehmen im Kontext von Wirtschaft und Gesellschaft bewerten. Arbeiten Sie mit beliebig vielen Personen – orts- und zeitunabhängig – auf virtuellen Pinnwänden gezielt an den unterschiedlichsten Frage- oder Problemstellungen, ganz im Sinne von Open Innovation und New Work. Laden Sie Mitarbeiter, externe Kunden oder Experten zur Lösung einer konkreten Problemstellung ein. Die Teilnehmer können jederzeit eigene Vorschläge auf der virtuellen Pinwand posten und die Lösungsvorschläge anderer Teilnehmer bewerten.

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Die Autorin

Foto: Marika Mochi
Marika Mochi
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Die Korrektorin und Lektorin Marika Mochi ist vielseitig unterwegs: Außerhalb ihres für Sprachen (Deutsch, Englisch, Niederländisch, Italienisch) ausgeprägten Faibles ist die in der Toskana lebende studierte Kunsthistorikerin unter anderem auch für in-manas als Innovationsscout tätig. Hier spürt sie laufend aktuellen Trends und Innovationen nach, die in unseren Innovationskompass münden und die wir Ihnen auszugsweise hier in dieser Form immer wieder vor Augen führen.