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Slow Fashion: der etwas langsamere Trend in Sachen Mode

Kleider auf einer Stange mit Schild: Slow Fashion

in-manas auf den Spuren des Megatrends „Energie, Klimawandel und Nachhaltigkeit“ 
 

Fast Fashion ist out. Grüne und faire Mode ist in!


In der Modewelt findet in letzter Zeit ein längst überfälliges Umdenken statt. Das Thema Nachhaltigkeit wird bei der Produktion von Kleidung immer wichtiger. Neben dem Umweltgedanken bei Materialauswahl und Färbeprozessen geht es auch um soziale Verantwortung und um ein Handeln in Kreisläufen – nicht nur bei ein paar vereinzelten NGOs und Weltverbesserern, sondern auch bei großen Ketten. Und das ist gut so. Wir haben Ihnen fünf Beispiele aus unserem Innovationskompass zusammengestellt, die für diesen Trend stehen. 



Neuer umweltfreundlicher Färbeprozess für Bluejeans

Um eine Jeans blau zu färben, werden 50 bis 100 Liter Wasser benötigt, vollgepackt mit giftigen Chemikalien, die nach dem Färbeprozess irgendwo gelassen werden müssen. Seit Jahrzehnten gehört die Jeans zu den beliebtesten und am häufigsten getragenen Kleidungsstücken ever. Jeder Deutsche besitzt im Durchschnitt sieben Paar. Das Ausmaß einer Belastung der Umwelt durch das Färben ist also immens. Ein Wissenschaftlerteam hat nun an der Universität von Georgia eine neue Färbetechnologie entwickelt. Diese verbraucht wesentlich weniger Wasser und die giftige Chemie ist schlicht nicht mehr vorhanden. Der Schlüssel: Das Verwenden von natürlichem Indigo, wie es auch traditionell üblich war, gemischt mit Nanozellulosefasern, macht den Gebrauch von Chemikalien überflüssig. Die Farbe wird durch die Nanofasern auf der Oberfläche des Textils „verklebt“. Bereits eine Schicht Farbe sichert 90 Prozent der Blauoptik der populären Hose. Die Anzahl der verwendeten Indigopartikel bewirkt zudem unterschiedliche Blautöne. So sind mehrere Tauchgänge und auch Oxidationszeiten hinfällig – der Vorgang ist wesentlich weniger zeitaufwendig.[1]


Trinkgeld direkt an Näherinnen senden

Das Geschäft mit der Mode stützt sich insbesondere durch Fast-Fashion-Konzepte und Auslagerungen der Produktion in Schwellenländer auch heute noch auf eine Industrie, die permanent Menschenrechte verletzt. Die – zum allergrößten Teil – Näherinnen sind oft noch Kinder und arbeiten meist unter widrigsten Bedingungen für sehr wenig Geld. Um diese Menschen zumindest finanziell etwas zu unterstützen, hat das Kölner Sozialunternehmen Tip Me nun eine Softwarelösung entwickelt, mit der man beim Kleidungskauf Trinkgeld geben kann – ähnlich wie es in der Gastronomie üblich ist. Das Trinkgeld wird gesammelt und unter den Näherinnen fair aufgeteilt – diese bekommen 100 Prozent des freiwilligen Zuschlags auf ihre Konten überwiesen. Das Konzept wird über Crowdfunding und hauptsächlich über die teilnehmenden Partnershops finanziert, die eine monatliche Nutzungsgebühr für die Software zahlen und ihren Kunden damit einen Service bieten, der gut angenommen wird. Tip Me selbst nimmt keine Provision und macht auch keine Gewinne, sondern reinvestiert finanzielle Überschüsse, um zu expandieren.[2]


Eigene Sneakerkollektion Barceloner Straßenverkäufer

Ein unglaublich genialer, starker Zweck steckt hinter einer neu auf dem Markt präsentierten Sneakerlinie. Jeder kennt die Straßenhändler auf Barcelonas mit Touristen überfüllten Straßen. Dabei handelt es sich um Migranten aus Afrika – ohne Papiere –, Manteros genannt, wegen der Decken, auf denen sie ihre Waren ausbreiten. Vor einigen Jahren haben sie bereits eine Gewerkschaft gegründet – kürzlich kreierte diese mit Top Manta ein eigenes Modelabel, dessen Range überwiegend aus T-Shirts und Baseball-Caps besteht. Nun kommt die Marke „Ande Dem“ dazu, eine eigene Sneakerkollektion. In hellen und dunklen Farben erhältlich, werden die Sportschuhe in Spanien und Portugal aus nachhaltigen Materialien und bei absolut fairen Arbeitsbedingungen hergestellt. Designt hat die Sportschuhe die preisgekrönte Designerin und Architektin Sara González de Ubieta zusammen mit der Grafikdesignerin Helga Juárez und natürlich den Verkäufern der Gewerkschaft. Mit den Einnahmen sollen genau diese auch künftig von der Straße geholt und legal ansässig gemacht werden. Hier geht es um weit mehr als nachhaltig produzierte Schuhe; soziale Gerechtigkeit, Solidarität vs. rassistische Ausgrenzung und Ausbeutung sind hier ganz wichtige involvierte Themen. [3]


Neuartiges Nähgarn fürs einfache Recycling von Kleidung

So toll die Produktion von Kleidung aus Altkleidern auch klingt: Bisher hat das Heraustrennen von Reißverschlüssen, Auftrennen von Nähten und Abtrennen von Knöpfen viele Handgriffe und somit Zeit erfordert – ein teures Unterfangen (sieht man mal davon ab, dass teils miserable Löhne in dieser Branche manchen Kostenpunkt relativieren). Mittlerweile jedoch gibt es Resortecs. Dieses Unternehmen aus Belgien bietet zweierlei an: erstens eigens entwickelte Garne für Nähte, die sich bei Temperaturen von etwa 130 Grad Celsius auflösen, was die Wiederverwertung sehr erleichtern soll. Die Stoffe lassen sich nach der Beseitigung der Nähte bequem neu verarbeiten. Bekleidungshersteller könnten sich mit dieser Neuerung ein enormes Arsenal an vor Ort verfügbarem Material erschließen und Importe erheblich zurückschrauben. Auch unverkaufte Ware – aus alten Kollektionen oder mit Produktionsfehlern – lässt sich hiermit leicht wieder in die Herstellung integrieren. Bei Berufsbekleidung sowie anderer Funktionskleidung lassen sich auf diese Weise Komponenten leichter ersetzen, die besonders schnell abnutzen, aber essenziell sind für den Zweck des jeweiligen Kleidungsstücks, etwa reflektierende Streifen. Zweitens: Zerlegeservices. Kunden, also Kleidungsproduzenten, können ihre Ware an Resortecs senden, wo die Nähte beseitigt werden, und dann für die Wiederverwertung zurückerhalten. [4]


Secondhandmode nun auch bei Großhandelskette erhältlich

Mode ist schon längst zu „Schleuderware“ geworden … Angesichts ständig und schnell wechselnder Billigkollektionen großer Modeketten wird viel gekauft und noch mehr weggeworfen. Manche Teile landen sogar ungetragen in der Altkleidersammlung oder gar im Hausmüll. Die Großhandelskette C&A bietet in ihrer Filiale in Hamburg-Altona nun in einer Kooperation mit carou Secondhandkleidung an – darunter Marken wie Hugo Boss oder Tommy Hilfiger – und leistet so einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. carou, eine der größten Fashion-Re-Commerce-Plattformen und Onlineshop für Vintage- und Secondhandware, freut sich, das niederländische Modeunternehmen an Bord zu haben, das bereits mit Initiativen wie „We take it back“ in Sachen Ressourcenschonung gepunktet hat. Die Hamburger Filiale setzt in diesem Pilotprojekt voll auf Nachhaltigkeit: Die dort angebotenen Kleidungsstücke wurden ressourcenschonend produziert. Über LED-Bildschirme können sich die Kunden über Nachhaltigkeitsinitiativen von C&A informieren. So können nachhaltiger Konsum und Modebewusstsein spielerisch vermittelt werden. [5]


Viele Unternehmen und Initiativen sind bereits auf den Slow-Fashion-Zug aufgesprungen. Aber es sollten definitiv noch mehr Menschen auf diesem Feld Fahrt aufnehmen. Wir wünschen Ihnen jedenfalls viel Inspiration für neue Wege – ob nun als Produzent oder Konsument.

Ihr in-manas-Team

II

QUELLEN UND VERTIEFUNGSTIPS

[1] New environment- friendly way to dye blue jeans

[2] Ein Trinkgeld für mehr globale Gerechtigkeit

[3] Barcelona street vendors debut their own line of sneakers

[4] Recycling und sorting technologies

[5] Pilotprojekt: Bei C&A gibt's jetzt Second-Hand-Mode zu kaufen


SCHON GEWUSST?

Mit dem in-manas-Trendradar können Sie die Entwicklungen und Auswirkungen aller relevanten Mega- und Makrotrends auf Ihr Unternehmen im Kontext von Wirtschaft und Gesellschaft bewerten. Arbeiten Sie mit beliebig vielen Personen – orts- und zeitunabhängig – auf virtuellen Pinnwänden gezielt an den unterschiedlichsten Frage- oder Problemstellungen, ganz im Sinne von Open Innovation und New Work. Laden Sie Mitarbeiter, externe Kunden oder Experten zur Lösung einer konkreten Problemstellung ein. Die Teilnehmer können jederzeit eigene Vorschläge auf der virtuellen Pinwand posten und die Lösungsvorschläge anderer Teilnehmer bewerten.
 

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