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Corona als Spreader für neue Geschäfts-Modelle?

Foto mit Saxophon und Streichinstrument

in-manas auf den Spuren des Megatrends:
NEUE GESCHÄFTSMODELLE 

Im Gespräch mit Wolfgang Meyer
Gründer und Inhaber von Musikalienhandel.de

Wie es dazu kam, dass ein Instrumenten- und Notenladen in Sachen AR-Technologie und innovative Services „den Ton angibt“


Seit das Coronavirus unseren Alltag bestimmt, entstehen zunehmend digitale Geschäftsmodelle, die sich auch in Nicht-Lockdown-Zeiten bewähren. Zwar ist es für einige Bereiche im ersten Moment vielleicht unvorstellbar, digitale, geschweige denn virtuelle Wege zu beschreiten – man denke nur an den Musikalienhandel, bei dem beispielsweise das Anspielen, Stimmen und Reparieren von Instrumenten zum Alltag gehören. Und trotzdem ist es so passiert – und zwar in der deutschen "Kulturhauptstadt" Detmold. Mit seinem Online-Instrumenten-Service hilft dort der Besitzer eines Musikhauses übers Internet bei Reparaturen an Musikinstrumenten. Der Auslöser war der erste Lockdown und mittlerweile können Wolfgang Meyer – der „findige“ Gründer der Musikhandlung – und sein Team den Kunden jegliche Dienstleistung ohne großen Aufwand und über große Distanzen hinweg anbieten: sei es nun zu Hause, im Probenraum oder auf der Bühne. Wie genau?  Das erfahren Sie in diesem Interview.



WOLFGANG MEYER IM GESPRÄCH MIT IN-MANAS


in-manas: Wolfgang, Sie waren ja immer schon Ihrer Zeit voraus und haben bereits vor über 20 Jahren einen Onlineshop implementiert: in einer Zeit, in der die Musikbranche noch kaum in der digitalen Welt „präsent“ war. Nun gehen Sie wie schon so oft einen Schritt weiter und bieten erstmals einen Online-Service für Reparaturen von Musikinstrumenten an. Wie sind Sie auf die Idee gekommen? 

Wolfgang: Seit diesem Frühjahr können viele Menschen ja nicht wie gewohnt zu uns in den Laden kommen, in dem auch unsere Werkstatt liegt. Aber es kommt trotzdem vor, dass jemand Hilfe bei seinem Instrument braucht. In solchen Situationen stelle ich mir dann die Frage, welche Technik schon auf dem Markt ist, die dem Wunsch der Kunden entgegenkommt. Wir wollten einfach alles daransetzen, unseren Kunden wie gewohnt alle Services zur Verfügung zu stellen, ohne dass sie den Weg in unser Ladengeschäft auf sich nehmen müssen. Das heißt: Wir haben weiterhin alle Produkte auf Lager, die sie sich natürlich schicken lassen können. Und zudem gibt es jetzt eben „brandneu“ dieses Tool bei uns – neben vielen anderen Möglichkeiten zur Online-Interaktion mit den Kunden, die wir ohnehin längst nutzen.

in-manas: Wie genau kann man sich diese Hilfe vorstellen? Ein Hobby- oder Profimusiker befindet sich zum Beispiel zu Hause und „kämpft“ mit seinem Instrument. Er bräuchte also technische Hilfe, weil er nicht weiß, wie die Gitarrensaite richtig aufgezogen wird oder weil die Querflöte „scheppert“ ...  

Wolfgang: Die Lösung ist eigentlich ganz einfach. Unsere Kunden müssen lediglich die App TeamViewer Pilot installieren und schon können wir Probleme beheben und Fragen klären. Unsere Mitarbeiter können dann über Kamera und Mikrofon das Instrument oder auch das Mischpult des Kunden virtuell zu sich holen, erkunden, wo das Problem liegt, und schlussendlich fachmännische Tipps und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Während die Kunden filmen, können wir vom Ladengeschäft aus – wir sitzen alle in der Kultur- und Musikstadt Detmold im Teutoburger Wald – auch Markierungen in Form von Pfeilen, Kreisen oder Notizen an die Stellen des Instruments heften, an denen der Kunde dann eine Kleinigkeit ändern sollte. Diese Markierungen bleiben auch dann an Ort und Stelle, wenn man die Kamera schwenkt, wenn man zoomt oder wenn man das Instrument aus einer anderen Perspektive zeigt. Aber es ist natürlich klar, dass dies keine Reparaturwerkstatt ersetzen kann. Große Reparaturen sind hiermit nicht möglich, aber oft sind es einfach kleine Sachen, mit denen die Menschen zu uns kommen, und die können wir nun per App bearbeiten.

in-manas: Das heißt, die dahinterliegende Technik ist weder für die Kunden noch für die Mitarbeiter komplex. Haben Sie schon erste Erfahrungswerte, wie Ihre Kunden Ihr neues Angebot annehmen? Gibt es trotz der einfachen und leicht zugänglichen Technik „Berührungsängste“?

Wolfgang: Ich würde es nicht „Berührungsängste“ nennen, sondern einfach „komplettes Neuland“. Niemand aus unserer Branche kann sich so eine Hilfe zurzeit vorstellen. Das heißt für uns, dass wir viel kommunizieren, erklären, bewerben und aufmerksam machen müssen. Das macht die Arbeit als „First Mover“ in unserem Bereich ja so spannend. Bei den Kunden erzeugen wir im besten Falle pure Begeisterung mit unserem Tun und Wirken. Und solche Ergänzungen sind für das Kundenerlebnis eigentlich immer eine Bereicherung.

in-manas: Nun handelt es sich ja bei Ihrer Lösung um eine Möglichkeit, die auch in anderen Branchen bzw. Bereichen eine große Hilfe für die Betreuung der Kunden darstellen könnte. Was können Sie Unternehmern mit auf den Weg geben, insbesondere  Einzelhändlern, die oft nicht den Mut haben, digitale Wege zu gehen oder es nicht wagen, sich gegen die scheinbar alles plattmachenden Onlineriesen zu behaupten? Wie können Einzelhändler aus eigener Kraft immer wieder neue Ideen umsetzen und sich somit auch in schweren Zeiten behaupten?

Wolfgang: Egal ob Lockdown, Wirtschaftskrise oder Kaufzurückhaltung – unser Job als Händler ist, die Bedürfnisse der Kunden – ja der Menschen – zu sehen. Es ist der berühmte Blick durch die „Kundenbrille“, der uns die Augen öffnen kann. Bei mir sind es meist der Blick auf schon Vorhandenes und ein gleichzeitiges Abstrahieren und Verbinden mit den Wünschen und Bedürfnissen meiner Kunden oder der jeweiligen Branche. Und dann ist eigentlich alles ganz einfach: Die TeamViewer-Pilot-App war ja schon da und die Anfragen nach Instrumentenhilfe auch, zum Beispiel per Telefon. Wir haben nur bestehende Technik und Bedürfnisse auf eine neue Ebene gehoben und verknüpft. Nach diesem Prinzip gibt es weitere Services, die unsere Kunden tagaus, tagein begeistern: der Notenupload, das Editorenprogramm, Onlinebuchungen von Beratungs- und Serviceterminen, WhatsApp-Beratung auf Produktseiten etc. Der wichtigste Tipp: mit positiver Energie nach vorn schauen, gestalten, probieren und mutig sein. Damit gibt es sogar in Coronazeiten Riesenpotenziale.
 

Vielleicht macht diese Erfolgsgeschichte auch Ihnen  Mut, in ungewissen Zeiten neue „Saiten“ aufzuziehen, um den Tiefen mehr „Höhe“ zu verleihen.

Ihr in-manas-Team

II


MEHR INFOS ZUM MUSIKALIENHANDEL UNTER

 


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Die Autorin

Foto: Klaudia Weber
Klaudia Weber
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Klaudia gibt uns regelmäßig "in-sights" rund um die Themenbereiche "New Work", "New Learning", "Nachhaltigkeit", "Neue Lebensstile" und "Neue Geschäftsmodelle" - nicht nur im Rahmen dieser Blogbeiträge, sondern auch, indem sie unseren Innovationskompass laufend mit den jüngsten Trends und Innovationen anreichert. Außerdem denkt und schreibt die "gelernte" Sozialpädagogin gerne "outside the box" und tauscht sich dazu immer wieder mit Experten und Vordenkern aus den unterschiedlichsten Disziplinen aus: angefangen von Soziologen und Philosophen bis hin zu Gehirnforschern.