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Alles Müll, oder was?

Kopfform aus Müll dargestellt


Linda Senoner auf den Spuren des Megatrends „Energie, Klimawandel und Nachhaltigkeit“ 


Wie Abfall für Hoffnung und Musik sorgt. Und für „dufte“ Häuser oder bitumenfreie Straßen 


Kennen Sie die fünf R der Zero-Waste-Bewegung? Nein? Sie lauten: refuse, reduce, reuse, recycle und rot. Es geht also darum, bestimmte umweltbelastende Produkte erst gar nicht anzunehmen oder deren Verbrauch zu reduzieren, sie wiederzuverwenden oder ihre Bestandteile bzw. Rohstoffe zu verwerten oder sie zu kompostieren. Immer mehr Initiativen und Unternehmen scheinen auch innovative Wege zu beschreiten, die sich auf eines oder mehrere dieser R stützen. Linda Senoner – Innovation Scout bei in-manas – ist immer wieder auf der Suche nach Nachhaltigkeitstrends und ‑innovationen. So auch dieses Mal. 


In diesem Beitrag führt Linda uns Best-Practice-Beispiele vor Augen, die nicht nur für die Umwelt gewinnbringend sind, sondern auch für:

  • sozial benachteiligte Kinder, die mithilfe von altem Metall und weiteren Abfallprodukten versteckte Talente freilegen konnten und mittlerweile gemeinsam als Orchester touren. Bezeichnenderweise sind sie bereits als Vorgruppe der Metalband Metallica aufgetreten.
  • die Baubranche bzw. Architekturszene, die mithilfe modularer Bauteile aus Kaffeeschalen, recyceltem Plastik und Holz für nachhaltige Wohnräume und Klassenzimmer sorgt. Aufgrund der Leichtigkeit der Module können diese in die entlegensten Gebiete dieser Welt geflogen werden.
  • sämtliche Straßenbauunternehmen, die als Alternative zu Bitumen – einem schwarzen, aus Öl gewonnenen Schlamm – gebrauchtes Plastik verwenden und damit die Müllberge reduzieren können. Zudem ist es möglich, mit dem neuen Material für eine längere Lebensdauer von Straßen zu sorgen. 
     

„Müllinstrumente“ bringen benachteiligten Kindern und Jugendlichen bessere Lebensqualität


Aus weggeworfenem Müll neue, nützliche Gegenstände zu basteln, liegt derzeit voll im Trend. So entstehen aus alten, scheinbar unbrauchbaren Dingen oft Kleidung, Möbel, Alltagsgegenstände und mehr. Eine besonders kreative Idee, die diesem Ansatz folgt, hatte ein paraguayischer Musiker, der den jungen Bewohnern rund um die größte Mülldeponie Paraguays eine kostenlose Musikschule für benachteiligte Kinder näherbringen wollte. Für die vielen interessierten Kinder und Jugendlichen waren allerdings nicht genug Musikinstrumente vorhanden. Doch die Lösung lag – im wahrsten Sinne des Wortes – nahe: Mithilfe eines Geigenbauers wurden verschiedenste Saiten- und Blasinstrumente aus Dosen, rostigen Rohren, Besteck, Ölfässern, Kabeln oder Flaschen gefertigt. So wurde aus den talentierten Musikern im Alter von 11 bis 25 Jahren ein Orchester mit dem Namen „Recycled Instruments Orchestra of Cateura“, das mittlerweile schon als Vorgruppe von Metallica auftreten durfte. Auch in der Pandemie ließen sich die Schüler ihre Leidenschaft an der Musik nicht nehmen und organisierten virtuelle Konzerte. Mit den Erlösen versorgten sie die Familien in der Gegend mit Lebensmitteln und Schulmaterial. Dieses Jahr möchte man die Proben, die aufgrund der Pandemie seltener stattfinden, wieder regelmäßiger machen und so den von sozialer Ausgrenzung bedrohten Jugendlichen eine bessere Lebensqualität bieten. [1]
 


Das etwas andere Kaffeehaus: Architekturbüro baut Häuser aus Kaffeeschalen


Ein stabiles, günstiges Haus bauen, das zusätzlich aus nachhaltigen Rohstoffen besteht und ohne Ziegel und Beton auskommt? Ja, das ist möglich – und zwar ganz ohne 3D-Drucker. Das Zusammenbauen der einzelnen Bauteile ist allerdings genauso einfach und schnell erledigt. Die modular aufgebauten Bausätze entstammen der Idee eines in Bogotá ansässigen Architekturbüros und bestehen ausschließlich aus einem holzartigen Kunststoffgemisch aus Kaffeeschalen, recyceltem Plastik und ein wenig Holz. Unterstützt von der Universidad de los Andes wurde etwa zehn Jahre an dem Material getüftelt. Das Ergebnis kann sich allerdings sehen lassen: Aufgrund der starken, trockenen Fasern der Kaffeeschalen ist das Gemisch feuerfest, splittert nicht und ist außerdem insektenresistent. Die vorgefertigten Teile sind zudem leicht und können einfach von einem Hubschrauber, einem Boot oder auch einem Esel transportiert werden. Für die Herstellung des Materials wird Regenwasser verwendet und in großem Stil Holz eingespart. Abfall und beschädigte Materialien werden außerdem wieder recycelt. Die Häuser, welche als Wohnraum, aber auch als Klassenzimmer genutzt werden können, sind schon ab 4.500 Dollar pro Stück zu erwerben. Als Nächstes will man neben dem Recycling außerdem auf erneuerbare Energien und Drainagesysteme für das Sammeln von Regenwasser setzen und Trockentoilettensysteme testen, bei denen die Feststoffe als Düngemittel verwendet werden können. [2]


Straßen der Zukunft bestehen aus recyceltem Plastik


Plastik hat mittlerweile in allen Bereichen unseres Alltags Einzug gehalten. Ursprünglich als unzerstörbare, widerstandsfähige Alternative zu Glas, Keramik, Holz und anderen Materialien angepriesen, verunreinigt es heute unsere Ozeane und bedroht unzählige Tierarten. So wird mittlerweile versucht, so wenig Kunststoff wie möglich zu verwenden. Die US-amerikanische Metropole Los Angeles hat jedoch anderes im Sinn und möchte Plastik aktiv im Bau von Straßen integrieren. Ein Widerspruch zur Plastikreduktion ist das allerdings trotzdem nicht. Im Gegenteil: Die Stadt möchte auf diese Weise dazu beitragen, die Ozeane sauberer und kunststofffrei zu halten, denn das Plastik, das beim Straßenbau zum Einsatz kommt, soll ausschließlich recyceltes Plastik sein, das sonst auf Deponien oder im Meer gelandet wäre. Es soll als Ersatz zum schwarzen, aus Öl gewonnen Schlamm, genannt Bitumen, dienen, welcher traditionelle Straßen zusammenhält. Der bereits verlegte Asphalt wird weiterhin verwendet und nicht ersetzt, sondern auch recycelt. Der Kohlenstoffausstoß, welcher beim Entfernen von Asphalt freigesetzt wird, kann damit also vermieden werden. Es besteht allerdings die Sorge, dass sich durch die Straßen der Anteil an Mikroplastik in der Luft erhöht. Das Bauunternehmen TechniSoil, das für den neuen Belag verantwortlich ist, möchte hier allerdings Entwarnung geben: Das Plastik werde vor dem Bau in seinen ursprünglichen, auf Öl basierenden Zustand versetzt und stelle somit keine Gefahr dar. Das Unternehmen sieht vielmehr einen weiteren großen Vorteil in den Plastikstraßen. Sie sind acht- bis 13-mal länger haltbar. Laut TechniSoil ist die Lebensdauer mindestens doppelt so lang wie die einer herkömmlichen Straße. Aus diesem Grund ist man davon überzeugt, dass die Straßen in Zukunft nicht mehr ohne Plastikbelag auskommen werden. [3]


Und das alles aus Müll, oder was? Ja! Es tut sich was, insbesondere in Sachen Recycling und Reuse. Nichtsdestotrotz gibt es nach wie vor viel Handlungsbedarf über alle R und über alle Branchen hinweg. Also: Bleiben Sie innovativ! Jede „Schrottidee“ ist Gold wert, wenn es um unsere Umwelt geht.

Linda und das gesamte in-manas-Team

II


QUELLEN UND VERTIEFUNGSTIPPS

[1] The sound of rubbish

[2] The houses that Colombian coffee built

[3] Los Angeles is paving roads with recycled waste plastic


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Die Autorin

Foto: Linda Senoner
Linda Senoner
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Linda ist für in-manas nicht nur im Marketing-, sondern auch im Scouting-Team tätig. Dabei verbindet sie die Suche nach spannenden Trends & Innovationen mit ihren privaten und beruflichen Interessen. Oder anders formuliert: Für die Bereiche „Tourismus, Freizeit und Wellness“, „Pharma & Gesundheit“, „Energie & Nachhaltigkeit“ sowie „Medien & Marketing“ findet sie laufend Best-Practice-Beispiele und innovative Ansätze, anhand derer sich sämtliche Branchen und Bereiche für die eigene Innovationsarbeit inspirieren lassen können.